Identitätsprüfung: Lügner mit der (PC-)Maus fangen

Ob einer die Wahrheit sagt oder nicht, zeigt das Bewegen des Geräts.

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(c) Die Presse (Fabry)

Nicht jedem gehen Lügen so locker über die Lippen wie Felix Krull, aber der Schaden, den der Hochstapler anrichtete, hielt sich in Grenzen. Das ist anders bei vielen, die sich etwa mit übelsten Absichten in Flüchtlingsströme mischen, ihre Papiere vernichten und mit einer neuen Identität an ihr Bombenwerk gehen. Die kann sich anlehnen an die eines echten Menschen – ein Selbstmordattentäter auf dem Brüsseler Flughafen hatte die eines Fußballspielers von Inter Mailand übernommen –, sie kann auch frei erfunden sein.

Wie kann man das beurteilen? Es gibt klassische zeitaufwendige und nicht immer zuverlässige Methoden mit Lügendetektoren, die den Herzschlag und die Leitfähigkeit der Haus messen. Sie setzen darauf, dass der Körper zeigt, ob einer die Wahrheit spricht oder Stress mit der Unwahrheit hat. Und es gibt Methoden, die das Gehirn selbst in den Zeugenstand rufen. Sie gehen davon aus, dass Lügen Anstrengung kostet – „cognition overload“ – und damit Zeit, die Reaktion kommt später. Auch das ist nicht immer so, aber diese Verfahren haben den Vorteil, dass sie unabhängig von der Umwelt sind – im Polizeiverhör kann einem auch das Herz rasen, wenn man nicht lügt –, und dass sie, etwa über Computer, mehrere Personen gleichzeitig prüfen können. Aber diese Verfahren brauchen zumindest ein minimales Wissen über die Befragten.

 

Hand fährt erst in Richtung Wahrheit

Ganz ohne solches auskommen will, was Guiseppe Sartori (Genua) erdacht und in einem „proof of concept“ vorgestellt hat (PLoS One, 18. 5.): Auch er stützt sich auf die Zeitverzögerung, die die Lüge braucht, und er beginnt via Computer mit einfachen Fragen, erwarteten und unerwarteten, die Antwort („Ja“ oder „Nein“) muss auf dem Schirm rechts oder links oben markiert werden: Erwartete Fragen zielen etwa auf das Geburtsdatum („Sind Sie am nn. nn. geboren?“), unerwartete auf das Sternzeichen („Sind Sie x?“). Die Hälfte der Testpersonen hatte sich in eine falsche Identität eingelernt, das Geburtsdatum gehört dazu.

Aber das Sternzeichen? Selbst wenn es einer rasch rekonstruieren konnte, brauchte er dafür Zeit. Die brauchte er auch bei Lügen, nicht nur im Kopf, sondern auch in der Hand: In der PC-Maus war ein Detektor, der die Bewegung aufzeichnete, und bei allen Lügen, die einer ansteuerte, zog die Hand erst unvermerkt in Richtung Wahrheit und bog dann ab.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2017)

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