Wie fette Kost der Gesundheit dienen kann

US-Forscher zeigten bei Mäusen, dass ketogene Diät das Leben verlängert und das Gedächtnis verbessert.

Symbolbild: Butter.
Symbolbild: Butter.
Symbolbild: Butter. – (c) Imago

Wer lange fastet, lebt lang. Um diese Weisheit zu bestätigen, werden seit über 80 Jahren diverseste Versuchstiere knapp gehalten: Zierfische und Wasserflöhe, Fruchtfliegen und Fadenwürmer, Mäuse und Hunde. Das Ergebnis ist immer recht ähnlich: Kalorienrestriktion – so nennen es die Forscher – ist gesund und verlängert das Leben. (Außer bei einer echten Hungerkatastrophe, die Individuen mit Fettreserven einen Vorteil bringt.) Wie das funktioniert, darüber gibt es mehrere Theorien, etwa dass Fasten die Bildung von reaktiven Sauerstoffverbindungen, die das Altern vorantreiben, reduziert.

Zwei Arbeiten in Cell Metabolism (5. 9.) legen nun eine andere Erklärung nahe: Kalorienreduktion funktioniere ähnlich wie eine ketogene Diät. Einer solchen unterwerfen sich viele Menschen freiwillig, sie ist sozusagen eine radikale Form der kohlenhydratreduzierten Diäten: Man isst möglichst wenig Kohlenhydrate (weder Zucker noch Stärke) und bezieht seine Energie zu ca. 80 Prozent aus Fetten und ca. 20 Prozent aus Proteinen – auf diese kann man (im Gegensatz zu Kohlenhydraten) nie ganz verzichten, weil der menschliche Körper nicht alle Aminosäuren selbst erzeugen kann.

 

In den Hungerstoffwechsel

Diese den Brotkorb verachtende Diät wirkt ungefähr so: Nachdem der Körper seine Vorräte an Glykogen (die tierische Speicherform von Kohlenhydraten) verbraucht hat und keine Glucose (Traubenzucker) mehr zur Verfügung hat, stellt er sich auf den sogenannten Hungerstoffwechsel um. Dabei werden Fettsäuren zu Keto-Verbindungen, z. B. Aceton oder β-Hydroxybuttersäure (BHB), umgesetzt, die dann zur Energiegewinnung dienen.

Dieser Diät unterwarfen Forscher um Jon Ramsey (University of California, Davis) ein Drittel ihrer Versuchsmäuse. Das zweite Drittel wurde „nur“ kohlenhydratarm ernährt (LCD), das dritte bekam die normale Laborkost. „Das Ergebnis überraschte auch mich“, sagt Ramsey: „eine Steigerung der mittleren Lebensdauer um 13 Prozent im Vergleich zu den Mäusen auf Normalkost. Bei Menschen würde das zehn Jahren entsprechen.“ Die Mäuse auf LCD lagen im Mittelfeld, auch in den Auswirkungen auf den Gesundheitszustand, z. B. bessere motorischen Leistungen, weniger Entzündungen.

Unabhängig davon zeigte eine Gruppe um Eric Verdin (San Francisco) in einem ähnlichen Experiment, dass ketogen ernährte Mäuse im Alter ein besseres Gedächtnis haben. Dabei, das betonen die Forscher, fanden die Tests statt, als alle Mäuse schon wieder „normal“ fraßen und also auch kein BHB mehr im Blut hatten. Dessen Wirkung als Signalmolekül soll wichtig für die Effekte der Diät sein: Das liest Verdin aus früheren Untersuchungen. Und er fragt sich: „Die ketogene Diät ist kompliziert und drastisch; könnten wir ihre segensreiche Wirkung nicht durch ein einziges Molekül erzielen?“ Freunde des Gebäcks und der Süßigkeiten werden einschlägige Forschung wohl begrüßen. (tk)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2017)

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