Fang das verstopfte Blutgefäß

Mitmachen. Wer findet am schnellsten Auffälliges auf Gehirnscans? Die Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft lädt am 21. September, dem Welt-Alzheimertag, zu einem Onlinespiel. Wettbewerbe wie diese sollen der Forschung nutzen.

Blockiertes Gefäß.
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Blockiertes Gefäß.
Blockiertes Gefäß. – (c) VIKTOROJA ZONYTE

Auf den Bildern am Monitor sehen sie aus wie bewegungslose, schwarze Punkte: blockierte Gefäße, die den Blutfluss im Gehirn unterbrechen. Das kann etwa für Demenzerkrankungen wie Alzheimer böse Folgen haben. Die Verstopfungen können aufhellende Phasen, in denen Patienten klar sind und sich wieder gut erinnern können, jäh beenden. Jedenfalls ist das die Theorie der Wissenschaftler der renommierten Cornell University, USA. Ob sie stimmt, soll eine Analyse Zigtausender Computerscans zeigen – viel zu viele jedoch für einzelne Forscher oder eine einzelne Forschergruppe, die Auswertung würde Jahre dauern. Auch Maschinen können hier nicht helfen. Das menschliche Auge erkennt die Muster auf den Bildern noch immer besser.

Die Forscher hatten daher eine findige Idee: Sie programmierten das Onlinespiel „Stall Catchers“ („Blockierungsjäger“). Und laden seither Menschen rund um den Globus ein, bei der Untersuchung der Krankheit, die in der alternden Gesellschaft immer mehr Leute trifft, mitzuhelfen. Am 21. September, dem Weltalzheimertag, organisiert nun die Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft (LBG) die Österreichpremiere des Spiels. Teams vom Boden- bis zum Neusiedlersee sind eingeladen mitzumachen.

 

Teams spielen gegeneinander

„Damit die Mustererkennung im Dienste der Wissenschaft auch Spaß macht, spielt man in Teams aus acht bis 15 Personen“, erklärt Benjamin Missbach vom Open Innovation in Science Research and Competence Center, kurz OIS Center, der LBG.

Dort hat man es sich zur Mission gemacht, neue Mitmachformate für interessierte Laien auszuprobieren und zu etablieren. „Wir wollen die Menschen stärker in den Forschungsprozess mit einbeziehen“, sagt Missbach. In diesem Fall bei der Analyse. Im Vorjahr hatte man die Bevölkerung in einem Crowdsourcing-Projekt breit eingeladen, Forschungsfragen zu psychischen Erkrankungen einzusenden. Betroffene, Angehörige und auch Menschen, die psychisch Kranke betreuen, übermittelten 400 Fragen. Diese flossen in die Arbeit von zwei Forschungsgruppen ein.

Diese Demokratisierung der Wissenschaft soll mit dem Onlinespiel „Stall Catchers“ eine Fortsetzung finden. „Je mehr Menschen mitmachen, desto besser“, sagt Missbach, selbst Ernährungswissenschaftler. Wer sich beteiligen will, muss nicht extra nach Wien kommen. Ein Handy, Tablet oder Laptop reichen aus, um dabei zu sein. Und wie bei jedem anderen Spiel mache es Spaß, wenn man sich verbessere. „Das Auge wird immer geschulter“, sagt Missbach.

Mit dem Onlinespiel „Stall Catchers“ aus den USA lädt die Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft Interessierte am 21. September 2017, von 14 bis 15 Uhr ein, die Alzheimerforschung spielerisch zu unterstützen. Anmeldeschluss ist der 14. September 2017. Interessierte wenden sich an benjamin.missbach@lbg.ac.at

LEXIKON

Open Innovation bedeutet, einen Innovationsprozess gezielt zu erweitern, um Wissen von außen einfließen zu lassen.

Bei Open Innovation in Science wird ein Forschungsprozess in diesem Sinn geöffnet.

Crowdsourcing heißt, dass eine große Zahl an Menschen über das Internet Ideen zu einem Thema einbringen kann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2017)

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