Südpol: Wurde Scott Opfer von Sabotage?

Neuentdeckte Dokumente wecken den Verdacht, ein Crewmitglied habe Schuld am Tod des Polarforschers.

Robert Scott auf Expedition 1912.
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Robert Scott auf Expedition 1912.
Robert Scott auf Expedition 1912. – (c) imago/UIG

Am 17. Januar 1912 brach für Robert Scott die Welt zusammen: „Großer Gott! Das ist ein entsetzlicher Ort . . . Jetzt kommt ein verzweifelter Kampf. Ich frage mich, ob wir das schaffen werden.“ So reagierte der Brite, als er am Südpol war und sah, dass das Rennen verloren war: Amundsen war früher dort. Und so steht es in den publizierten Tagebüchern Scotts, der den Rückweg nicht schaffte. Aber im Original steht noch ein Halbsatz, der der Passage einen ganz anderen Sinn gibt: Dort will Scott verzweifelt darum kämpfen, „dass wir die Nachricht als erste durchbringen“.

So wollte er den Lorbeer doch: Amundsen auf dem Rückweg überholen. Warum die Passage im publizierten Text fehlt, ist unklar, manches andere fehlt auch: Und vieles, was in Tagebüchern anderer Expeditionsteilnehmer steht, passt nicht recht zu dem Drama, das die Welt erschütterte wie selten eines: Scott und vier Kameraden kehrten nicht zurück, nach bisheriger Lesart vor allem wegen Fehlentscheidungen, die Scott in der Hetze des Wettlaufs unterlaufen waren.

Befehl missachtet, Vorräte verzehrt?

Oder lag es an einer besonderen Fehlentscheidung, fiel er einem Mitglied der Crew zum Opfer, seinem Stellvertreter Edgar Evans? Den hatte er selbst ernannt, er merkte bald, dass es ein Fehler war und schickte ihn vor Erreichen des Südpols zurück, mit dem Auftrag, er solle ihm vom Basislager aus Hundeschlitten entgegen schicken. Die kamen nie, und die halb verhungerten Rückwanderer erlebten an Proviantlagern üble Überraschungen: Irgendjemand hatte viel verzehrt, vor allem Pemmikan, eine Mischung aus Dörrfleisch und Fett. Der Heißhunger von Evans danach war anderen Crewmitgliedern früh aufgefallen.

Und auf seinem Rückweg war Evans an diesen Lagern. Das weckte früh Verdacht, aber eine Untersuchung wurde niedergeschlagen. All das hat Chris Turney (Sydney) akribisch zusammengetragen, für ihn spricht es „im besten Fall für Evans Unfähigkeit, im schlimmsten aber für Sabotage, die letztlich im Tod von Scott resultierte.“ (Polar Record 10. 10.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2017)

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