Neue am Himmel: Zombie und Brudermörder

Astronomie. Manche Sterne leben nach ihrem Tod weiter, andere sterben vor ihrer Zeit. Beide sind rätselhaft.

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Symbolbild. – (c) imago/Westend61 (imago stock&people)

Als sich im September 2014 am Himmel in 800 Millionen Lichtjahren Entfernung ein heller Fleck zeigte, war das für die Astronomen im Palomar-Teleskop bei San Diego eine Routinebeobachtung: Alles sah nach Supernova Typ II P aus. Das ist das letzte Lebensstadiums eines Sterns – eines Himmelskörpers, der in Kernfusion verbrennt wie die Sonne –, der mehr als achtmal so viel Masse hat wie die Sonne. Dann kann er entweder zu einem Schwarzen Loch kollabieren oder als Supernova explodieren. Deren Schockwelle macht das davonrasende Material hell, sehr hell, für etwa 100 Tage.

Dazu passte das beobachtete Ereignis, die Astronomen klassifizierten es als Supernova Typ II und nannten es iPFTF14hls. Aber nach 100 Tagen strahlte sie unverändert, erst nach über 600 Tagen erlosch das Licht, eine solche Supernova hat man noch nicht gesehen. Zudem pulsierte das Licht, als ob es oft neue Explosionen geben würde statt der einen Explosion einer Supernova. Und: Für gewöhnlich ändert sich das Licht einer Supernova im Lauf der Zeit, aber das Spektrum von iPFTF14hls blieb immer gleich.

Was ist das für ein Himmelskörper? Die Astronomen um Iair Arcavi gingen ins Archiv, sie wurden fündig: Im Jahr 1954 hatte man in der gleichen Region eine Supernova beobachtet. Das macht alles noch komplizierter, eine Erklärung gibt es nicht: „Diese Supernova widerspricht allem, was wir zu wissen glaubten“, muss Arcavi passen. „Es braucht ein ganz neues Bild.“ (Nature 9. 11.)

Immerhin, ein eingängigerer Name fand sich für den Stern, der stirbt und doch weiter lebt: „Zombie“-Supernova. Aber sie ist nicht das einzige Mirakel am Himmel, gerade stieß man auch auf etwas Gegenläufiges, einen „Brudermord“. Den traf ein Stern, der vor seiner Zeit verschieden ist. Er hatte die Masse der Sonne, und solche Sterne werden am Ende zu Roten Riesen: Sie blähen sich auf. Irgendwann – in etwa fünf Milliarden Jahren – wird das unsere Sonne tun und die Erde verschlingen und zerreißen.

 

Zu langes Sterben, zu kurzes Leben

Dieses Schicksal hätte auch einen Braunen Zwerg mit seinen etwa 34 Jupitermassen ereilen müssen, der in einem binären System um den Stern kreiste. In dessen Hülle geriet er, als der Große begann, sich aufzublähen. Aber er zerriss nicht, im Gegenteil, er sorgte dafür, dass der andere so viel Masse abstieß, dass er kein Roter Riese wurde, sondern zu einem Weißen Zwerg mit 0,2 bis 0,3 Sonnenmassen schrumpfte. Das spielte sich im Sternbild des Perseus ab, brasilianische Astronomen um Leonardo de Almeida haben es beobachtet. Aber einen rechten Reim gibt es auf diesen Brudermord so wenig wie auf den Zombie (Monthly Notices of the Royal Astronomical Society 3. 11.).

Diesen gibt es auch nicht bei einem „unmöglichen“ Planeten, über den in der gleichen Ausgabe der Monthly Notices berichtet wurde: Er kreist in 600 Lichtjahren um einen Roten Zwerg, der nur halb so groß ist wie die Sonne. Planeten solch kleiner Zentralgestirne sind für gewöhnlich auch klein, Gesteinsplaneten, aber der Neue ist ein Gasplanet, riesig wie Jupiter: „Er war eine völlige Überraschung für uns“, wundert sich Entdecker Daniel Bayliss (Warwick). „Wir dachten, dass so massereiche Planeten um so kleine Sterne gar nicht vorkommen können.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2017)

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