Drehscheibe für das Goldland der Pharaonen

Im Nordsudan bestand ein kultureller Vorposten.

Im Süden Ägyptens – und schon auf nubischem Gebiet – konnten Archäologen der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) die Spuren eines bedeutenden Handelszentrums freilegen, das unter anderem auch ein wichtiger Umschlagplatz für den Goldhandel war. Auf der 54 Quadratkilometer großen Insel Sai zwischen dem zweiten und dritten Nil-Katarakt wurde ca. 1500 v. Chr. nach einem siegreichen Feldzug der Ägypter gegen Nubien ein militärischer Feldposten gegründet, der sich rasch zur prosperierenden Kolonialstadt Schaat entwickelte.

Die Grabungen leitet die Archäologin Julia Budka vom ÖAW-Institut für Orientalische und Europäische Archäologie. Budka ist auch Professorin an der Uni München, in ihrem internationalen Forschungsteam dominieren Studenten der Universitäten Wien und München. „Das Gebiet im Süden des Sudans ist noch wenig erschlossen“, so Budka, „hier ist im Bereich der Siedlungsarchäologie noch viel Potenzial da.“


Symbolische Festungsmauer

Die Nilinsel wurde nach der Einnahme durch die Pharaonen rasch für ägyptische Zuwanderer, aber auch für die nubische Bevölkerung attraktiv. Die Ägypter legten eine Stadtmauer an, die, so Budka, „kein regelrechtes Festungsbollwerk war, sondern einen symbolischen Charakter hatte“. Die Stadt lag an der Handelsroute von Süden nach Norden und wurde zu einem Handelszentrum. Wie Grabungsfunde zeigen, trug vor allem die Verarbeitung von Gold zum Aufschwung bei.

Die Grabungen, die eingesetzten 3-D-Lasercans und die Strontiumisotopenanalysen wurden vom Europäischen Forschungsrat ERC und dem Wissenschaftsfonds FWF gefördert. Die Arbeiten seien vom logistisch-bürokratischen Aspekt her besser möglich als derzeit in Ägypten, sagt Budka. (ewi)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2018)

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