Meteorit bezeugt "verlorenen Planeten"

Was 2008 über dem Sudan niederging, entstand vor 4,5 Milliarden Jahren im jungen Sonnensystem.

Meteorit
Meteorit
In dem Gestein haben Farhang Nabiei und Philipp Gillet Diamanten gefunden. – Farhang Nabiei/Philipp Gillet

Am 6. Oktober 2008 sichtete der Astronom Richard Kowalski einen auf die Erde zurasenden kleinen Meteoriten, er war noch in einer Entfernung – außerhalb der Mondbahn –, die 20 Stunden Zeit ließ. In der gelang es, den Einschlagort einzugrenzen: Die Trümmer würden in der Nubischen Wüste im Nordsudan niedergehen. Das taten sie, nahe der Bahnstation Almahata Sitta, nach dieser wurde der Asteroid mit dem wissenschaftlichen Namen 2008 TC3 auch noch benannt. Das war das erste Mal, dass man den Sturz eines Asteroiden auf die Erde so verfolgen konnte, dann begann die Suche, Studenten der Universität Khartum fanden um die 600 Bruchstücke, insgesamt 10,4 Kilo.

Die Stücke stammten von einem Ureiliten, einem sehr kohlenstoffreichen und seltenen Meteoritentyp – ein Prozent derer, die auf der Erde einschlagen, gehören dazu –, sie zeigten damit, wo 2008 TC3 nicht hergekommen sein kann, von Planeten wie Mars, auch nicht vom Mond. Deren Gesteine sind schon stärker differenziert, umgekehrt sind Ureilite aber auch nicht aus dem noch ungegliederten Staub, der vor der Bildung des Sonnensystems den Himmel füllte. Also muss der Meteorit entweder von weit her gekommen oder in einer Zeit entstanden sein, in der die Sonne noch jung war – vor 4,5 Milliarden Jahren – und von Protoplaneten umkreist wurde.

Diese gibt es nicht mehr, sie zerschellten bei Kollisionen, aus dem Material wurden neue Himmelskörper, so ist wohl unser Mond entstanden – als ein marsgroßer Protoplanet in die Erde fuhr –, so sieht Robert Canup (Southwest Research Institute) gerade auch die Bildung der Marsmonde Phobos und Deimos (Science Advances 18. 4.).

„Archäologie des Sonnensystems“

Aber wie soll man wissen, ob das im Sudan Niedergegangene auch von einem Protoplaneten stammt? In seinem Gestein haben Farhang Nabiei und Philipp Gillet (Lausanne) Diamanten gefunden – in einer Größe, die nicht beim Einschlag selbst gebildet worden sein kann –, und in den Diamanten haben sie Einschlüsse gefunden, Eisensulfide etwa, die nur unter extremen Drücken und Temperaturen entstanden sein können: Solchen, wie sie im Kern des Merkur herrschen, oder etwas über dem Kern des Mars (Nature Communication 17. 4.): „Wir betreiben Archäologie, die der Geschichte des Sonnensystems nachspürt“, schließen die Forscher: „Unsere Studie beweist, dass 2008 TC3 von einem ,verlorenen Planeten‘ stammt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2018)

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