Wie bedrohlich schwächelt das Magnetfeld der Erde?

Unser Schutzschirm gegen den Sonnenwind hat sich ausgedünnt. Droht nun eine Umpolung?

Nasa

Dass es Leben auf der Erde gibt, haben wir auch ihrem Magnetfeld zu danken: Es schirmt Sonnenwind ab, einen Strom geladener Teilchen, den die Sonne mit unterschiedlicher Heftigkeit aus sich herausschleudert. Starke Winde können elektrische Leitungen und elektronische Geräte lahmlegen, aber auch ganz normale können eine Atmosphäre bzw. ihre Gase Stück für Stück zerschlagen und ins All entweichen lassen, der Mars bekam es zu spüren, er hat kein Magnetfeld.

Die Erde hat eines, man nutzte es früh zur Navigation, man konnte es spät auch mit wissenschaftlichen Messgeräten erfassen, als erster tat das Karl Friedrich Gauß – nach ihm ist das Maß der Stärke des Magnetfelds benannt –, er hat 1832 das Magnetometer ersonnen. Ab 1840 gab es systematische Messungen, und die zeigen, dass das Feld seitdem um fünf Prozent pro Jahrhundert schwächer geworden ist. Denn es ist nicht konstant, weder im Raum noch in der Zeit: Im Raum hat es regional ganz verschiedene Stärken, in der Zeit kann es sich umpolen, seine Richtung wechseln. Das weiß man, weil Metalle, die sich nach den Magnetfeldlinien ausrichten, sich in erkaltender Lava dann anders orientieren. Im großen Schnitt kommt das alle 200.000 bis 300.000 Jahre, in der Realität kam es das letzte Mal vor 720.000 Jahren.

Südatlantische Anomalie

Rein statistisch also wäre es überfällig, und eine geografische Besonderheit könnte ein Vorzeichen sein: Bevor das Feld sich umpolt, wird es schwächer, und viel schwächer ist es in letzter Zeit über dem Südatlantik geworden. Dort hat die Elektronik von Satelliten schon durch den stärker eindringenden Sonnenwind Schaden genommen, dort sind auch Fluggäste erhöhten Strahlendosen ausgesetzt. Ist das nur der Beginn, deutet die „südatlantische Anomalie“ auf eine bevorstehende Umpolung? Maxwell Brown (Reykjavík) hat paläomagnetische Daten gesichtet und vor 49.000 und 46.000 Jahren ähnliche Anomalien gesichtet, sie sind im Lauf der Zeit wieder verschwunden (Pnas 30. 4.): „Das deutet darauf hin, dass sich das gegenwärtig geschwächte Feld auch wieder erholen wird.“

Und wenn nicht, wird außer uns und unserer Elektronik auch die Natur leiden? Viele Tiere, Meeresschildkröten etwa, orientieren sich beim Wandern am Magnetfeld. Aber das hat sich schon oft umgepolt und kein Artensterben gebracht.

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