In Gewässern: Stromfluss in Bakterienketten

Aneinandergekettete Bakterien leiten Strom.

Allein auf der Oberfläche eines Quadratmeters Meeres- oder Süßwasserboden befinden sich Tausende Kilometer Bakterien, die zu Ketten verbunden sind. Nun konnte ein internationales Team, in dem Forscher der Uni Wien mitarbeiteten, nachweisen, dass in diesen Bakterienkabeln Strom fließt.

Dass auf Gewässerböden ein Stromfluss besteht, ist seit Längerem bekannt, allerdings gab es bisher kein Messverfahren. „Wir hatten die Idee, die Raman-Mikrospektrokopie einzusetzen“, sagt der Mikrobiologe Michael Wagner. Damit konnte direkt in einzelnen Bakterienkabeln ein Stromfluss nachgewiesen werden. Wagner ist Professor am Institut für Mikrobiologie und Systemforschung an der Uni Wien, das am von der dänischen Aarhus University geleiteten Forschungsprojekt beteiligt ist.

 

Bakterienschwarm entsteht

Eine einzelne Bakterienzelle ist nur einen tausendstel Millimeter groß. Experimente mit Kabelbakterien sind schwierig, da diese noch nicht im Labor nachgezüchtet werden können. Die jetzt eingesetzte Raman-Mikrospektroskopie ist die spektroskopische Untersuchung der inelastischen Streuung von Licht an Molekülen oder Festkörpern und eignet sich für die Untersuchung einzelner Bakterien.

Im Experiment wurde festgestellt, dass bestimmte Transportproteine der Bakterien mit Elektroden beladen waren oder nicht. Wurde nämlich die Verbindung der Kabelstränge zum Sauerstoff unterbrochen, war ein Großteil dieser Proteine mit Elektroden beladen. Dies war der erste direkte Nachweis des Stromflusses. Zudem zeigte sich, dass andere Bakterien systematisch zu den Kabelbakterien trifteten und Schwärme bildeten. Die Erkenntnisse wurden im Fachjournal „Pnas“ publiziert. (APA/ewi)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2018)

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