Nicht jede Berührung wird zwangsläufig zu Gold

Psychologie.„Kuschelnerven“ manipulieren uns nicht.

Wenn Kellner ihre Gäste berühren, erhalten sie mehr Trinkgeld. Dieser sogenannte Midas-Effekt wurde bereits in zahlreichen Zusammenhängen nachgewiesen: Menschen verhalten sich also in der Regel großzügiger, wenn sie vorher berührt wurden. Das Phänomen ist nach König Midas aus der griechischen Mythologie benannt: Alles, was er angriff, verwandelte sich in Gold. Ob sich der Midas-Effekt auch unter Laborbedingungen zeigt, überprüfte ein Team aus internationalen Wissenschaftlern der Universitäten Wien und Oslo.

Die Forscher konnten den Effekt jedoch nicht nachweisen, wie sie jetzt im Fachblatt „Scientific Reports“ berichteten. Zumindest hat dieser nichts mit den – salopp als „Kuschelnerven“ bezeichneten – C-taktilen Fasern zu tun. Diese Fasern finden sich überall dort gleich verteilt, wo die menschliche Haut mit kleinen Härchen besetzt ist. Ihre Aufgabe ist es vor allem, angenehme Gefühle durch Berührungen an die emotionalen Zentren im Gehirn weiterzugeben.

 

Im Labor nicht nachweisbar

In einem als Vertrauensspiel konzipierten Experiment variierten die Wissenschaftler jene Person, der gegenüber man sich großzügig verhalten konnte: Einmal war sie eine anonyme, über das Internet verbundene Person, einmal eine nicht sichtbare Person im selben Raum und einmal eine Person, die die Probanden berührte.

„In unserem Laborversuch konnten wir überhaupt keinen Midas-Effekt beobachten, was im krassen Gegensatz zu den dokumentierten Effekten in vielen Feldstudien steht“, so die Wiener Psychologin Lisa Rosenberger. Möglicherweise, so ihre Vermutung, stimme uns weniger die Berührung selbst als vielmehr die Interpretation dieses Verhaltens als Ausdruck von Sympathie großzügiger. (APA/cog)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2018)

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