Wie Trump den Familienfrieden stört

Am Thanksgiving-Tag nach der Präsidentenwahl fielen die Familienbesuche kürzer aus als sonst. Das lässt sich aus gesammelten Handydaten herauslesen.

2015 verbrachten die Durchschnittsamerikaner 4,2 Stunden auf Thanksgiving-Feiern, 2016 verließen sie die Familientische früher, um 30 bis 50 Minuten.
2015 verbrachten die Durchschnittsamerikaner 4,2 Stunden auf Thanksgiving-Feiern, 2016 verließen sie die Familientische früher, um 30 bis 50 Minuten.
2015 verbrachten die Durchschnittsamerikaner 4,2 Stunden auf Thanksgiving-Feiern, 2016 verließen sie die Familientische früher, um 30 bis 50 Minuten. – (c) Imago (Yin Bogu)

Auch wenn man den Namen Trump kaum mehr hören mag, kann man sich der Macht dieses Mannes nicht entziehen. Sie spielt nicht nur mit dem Schicksal der Erde, sie reicht auch in Privatestes, vergiftet das Klima in Familien. Am eigenen Leib verspürt haben das die US-Ökonomen Keith Chen (UC Los Angeles) und Ryne Rohla (Washington State University) am 24. November 2016, da wurde Thanksgiving gefeiert, kurz zuvor war der Präsident gewählt worden. Das war ein Gesprächsthema, und es bescherte den Feiern, die Chen und Rohla besuchten, eine ungute Stimmung, die Familien, die oft nur an diesem Tag im Jahr zusammentreffen, gerieten in Streit.

War das nur bei den Familien von Chen und Rohla so? Die beiden gingen die Sache systematisch an und werteten die Spuren aus, die heute fast jeder ganz automatisch hinterlässt, die am Handy. Es weiß immer, wo sein User ist, und bei über zehn Millionen Usern in den USA weiß die Firma SafeGraph es auch. Aus deren Daten haben die Forscher herausgefiltert, wo die User am frühen Nachmittag waren, von 13 Uhr bis 16 Uhr, an den Tagen vor Thanksgiving und am Feiertag selbst, das alles für die Jahre 2015 und 2016.

 

Früherer Aufbruch

2015 verbrachten die Durchschnittsamerikaner 4,2 Stunden auf Thanksgiving-Feiern, 2016 verließen sie die Familientische früher, um 30 bis 50 Minuten, und zwar unterschiedlich, je nach Parteipräferenz: Anhänger der Republikaner, die bei Anhängern der Demokraten zu Besuch waren, verkürzten die Verweildauer um 50 bis 70 Minuten, im umgekehrten Fall waren es 20 bis 40 Minuten, und in beiden Fällen waren die Werte dort am höchsten, wo die Wahlschlacht am härtesten war und allerorten Wahlplakate hingen, in den „Swing States“: „Es war definitiv ein politischer Effekt“, schließen Chen und Rohla: „Insgesamt wurden geschätzte 33,9 Millionen Mannstunden an Gesprächen eliminiert.“ Ob das eine Gesprächsverweigerungsspirale in Gang gesetzt hat oder ob sich die Familiengemüter wieder beruhigt haben, wollen die Forscher in der nächsten Runde klären, zu Thanksgiving 2017.

So stand es in Science (360, S. 1020), es wurde breit rezipiert, aber dass die Studie noch ein ganz anderes Problem zeigt, wurde nur bei „Wired“ Thema, unter dem Titel „The ,Thanksgiving Effect‘ and the Creepy Power of Phone Data“: was scheinbar harmloseste Daten, die über den Aufenthalt zu Thanksgiving und den normalen Aufenthalt – den Wohnort, aus dessen Wahlverhalten die politischen Präferenzen abgeleitet wurden – verraten. Und ob die Wissenschaft solche Daten schlicht verwerten darf, auch wenn es echte Wissenschaft ist und nicht die von Cambridge Analytica, die sich unter Forschungsvorwand etwa 50 Millionen Facebook-Profile erschlichen hat, um damit den US-Wahlkampf zu manipulieren, der dann Trump zum Präsidenten gemacht hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2018)

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