Fische schützen Blut mit einem Sonnenschirm

Das gefährliche UV-Licht der Sonne wird abgeblendet.

Zebrafische
Zebrafische
Zebrafische – (c) imago stock&people (imago stock&people)

Im Labor des Hämatologen Leonard Zon in Harvard hält man zum Studieren des Bluts und seiner Bildung Zebrafische. Die haben den Vorteil, dass sie als junge fast transparent sind, man kann mit bloßen Auge durch sie hindurchschauen. Aber dort, wo Zons Mitarbeiter Friedrich Knapp hinsehen wollte, war der Blick verstellt: in den Nieren. Knapp wollte die Entwicklung von differenzierten Blutzellen aus Stammzellen beobachten, und die haben in Fischen ihren Sitz in den Nieren, bei Wirbeltieren wie uns finden sie sich im Knochenmark.

Aber Knapp sah eben kaum etwas, weil über den Stammzellen eine Lage von Melanozyten war – sie erzeugen das dunkle Pigment Melanin –, es erinnert ihn an einen Sonnenschirm. Und es ist auch einer: Stammzellen müssen vor Umweltbedrohungen gut geschützt werden, schließlich sollen sie lange differenzierte Zellen produzieren und das ohne viele Mutationen. Dass sie Schutz vor allem vor Strahlung brauchen – vor dem UV-Anteil des Sonnenlichts, das DNA angreift –, sah Edwin Cooper vor 40 Jahren schon als Hintergrund einer Beobachtung, die er an bestimmten Pfeilgiftfröschen gemacht hatte: Solange sie als Kaulquappen im etwas schützenden Wasser leben, sind ihre Blutstammzellen in den Nieren, nach der Metamorphose und dem damit verbundenen temporären Leben am Land wandern sie ins Knochenmark.

 

Melanozyten dunkeln ab

Aber diese Beobachtung wurde nicht weiter verfolgt, erst jetzt wurde sie aktualisiert, an den Zebrafischen. Die leben zwar auch im schützenden Wasser, aber sie bevorzugen sehr klares Wasser und sind eben als junge durchsichtig. So haben sie sich mit den Melanozyten geholfen. Oder haben die andere Funktionen? Als Zon und Knapp gentechnisch bei manchen Fischen die Entwicklung der Melanozyten unterbunden, waren diese Tiere so gesund wie die anderen auch.

Als sie sie aber zusätzlich mit UV bestrahlt wurden, dünnten sich die Stammzellen aus, und das neu gebildete Blut floss spärlicher. Das tat es auch, als die Forscher etwas taten, was Zon „das vermutlich beste Experiment“ nennt, „das wir je ausgeführt haben“ (Nature 13. 6.): Sie anästhesierten einige Fische und fixierten sie mit dem Bauch nach oben im Wasser. Nun half der Sonnenschirm nichts mehr. (jl)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2018)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Fische schützen Blut mit einem Sonnenschirm

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.