Wittgenstein-Preise für Geometrie und Volksmusik

Der mit 1,4 Millionen Euro bestdotierte Wissenschaftspreis Österreichs wird heuer zweimal vergeben: an die Ethnomusikologin Ursula Hemetek und an den Mathematiker Herbert Edelsbrunner.

Gratulation zum Wittgenstein-Preis für Ursula Hemetek.
Gratulation zum Wittgenstein-Preis für Ursula Hemetek.
Gratulation zum Wittgenstein-Preis für Ursula Hemetek. – mdw/Doris Piller

„Algorithmische Geometrie und Topologie“: So beschreibt der Wissenschaftsfonds FWF das Fach des 1958 in Graz geborenen Mathematikers Herbert Edelsbrunner, der heuer einen Wittgensteinpreis erhält. Es sei „eine Mischung aus Mathematik und Informatik“, erklärt Edelsbrunner selbst. Es geht offenbar darum, wie man in Computerprogrammen die Form und Verformung von Objekten geschickt beschreiben kann. Auf seiner Homepage findet sich Information über „Raindrop Geomagic“, eine von ihm gegründete Softwarefirma für 3D-Design, und eine gewitzte Beschreibung seiner Interessen: „I always loved mathematics and in particular geometry and topology. My next favorite subject is philosophy. I am still curious why we are here. I have no illusions that we will ever know, but at least I would like to understand what we are all doing here.“ Was er wissenschaftlich tut, das tut er jedenfalls am Institute of Science and Technology in Klosterneuburg, das damit schon zum dritten Mal einen Wittgenstein-Preis an sich ziehen kann.

Dem Laien deutlich zugänglicher ist die Forschung von Ursula Hemetek vom Institut für Volksmusikforschung und Musikethnologie, die ebenfalls einen Wittgenstein-Preis bekommt: Ihr Spezialgebiet ist die Musik von Minderheiten, etwa die Lieder der Roma und Lovara, schon für ihre Dissertation befasste sie sich mit Hochzeitsliedern in der burgenlandkroatischen Gemeinde Stinatz, aus der etwa die Resetarits-Brüder und die Grünpolitikerin Terezija Stoisits kommen. Hemetek, geboren 1956 in Wien, versteht sich als „Handlungswissenschaftlerin“, die sich in die Gesellschaft einmischt, so setzt sie sich für Musikunterricht für Migranten – auch mit Instrumenten aus deren Heimat – ein. Sie ist Gründungsmitglied des „Romano Centro“ und Obfrau der „Initiative Minderheiten“.

 

Viel Materialwissenschaft

Die Wittgenstein-Preise werden beim „Be Open“-Fest zum 50-jährigen Bestehen des FWF am 12. September verliehen – gemeinsam mit sechs mit bis zu 1,2 Millionen Euro dotierten Start-Preisen für Nachwuchsforscher.

Diese gehen heuer allesamt an Naturwissenschaftler, gleich drei an Physiker, gleich drei an die Technische Universität Wien. Emanuela Bianchi, geboren 1981 in Rom, erforscht am Institut für theoretische Physik der TU Wien, wie man die Selbstorganisation von Kolloiden steuern kann. Ebenfalls mit Materialwissenschaft befasst sich Oliver Hofmann, geboren 1982 in Wien, am Institut für Festkörperphysik der TU Graz: Er berechnet die Eigenschaften von Grenzflächen, vor allem zwischen anorganischen und organischen Materialien. Und Philipp Haslinger, geboren 1982 in Wien, misst am Atominstitut der TU Wien mit Atominterferometrie neue physikalische Effekte an Oberflächen.

Bauingenieur Josef Norbert Füssl, geboren 1982 in Wien, will am Institut für Mechanik der Werkstoffe und Strukturen (TU Wien) „Holz durch computergestützte Methoden berechenbar machen“. Biologe Robert Junker, geboren 1981 in Buchen (Deutschland), forscht an der Uni Salzburg über die Entstehung von Ökosystemen; Gina Elaine Moseley, geboren 1984 in Walsall (Großbritannien) ergründet anhand von Sinterablagerungen in Höhlen die Klimageschichte Nordostgrönlands.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2018)

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