Glückshormon lehrt auch das Fürchten

Wiener Forscher entdeckten Dopaminschaltkreis.

Dopamin ist der Hauptakteur des Belohnungssystems im Gehirn. Doch der Botenstoff spielt auch eine wesentliche Rolle beim Abspeichern bedrohlicher Ereignisse. Das berichten Wiener und Magdeburger Wissenschafter nun im Fachjournal „Nature Neuroscience“. Sie entdeckten einen bisher unbekannten Dopaminschaltkreis, der für die Abspeicherung von Informationen im Angstgedächtnis verantwortlich ist.

Bedrohliche Ereignisse sollten sich tief einprägen, um sie in Zukunft zu vermeiden. Im Furchtgedächtnis werden dazu Anzeichen für Gefahr – etwa Geräusche, Bilder oder Gerüche – abgespeichert. Genau das hat der Neurobiologe Wulf Haubensak vom Institut für molekulare Pathologie (IMP) in Wien mit dem Forscherteam an Mäusen untersucht.

 

Zentrales Höhlengrau aktiv

Mittels verschiedener High-Tech-Methoden lokalisierten die Wissenschaftler jene Gehirnregion, die während des Lernvorgangs aktiv war. Dabei handelt es sich um eine neue Klasse von Dopaminneuronen in der Mittelhirnregion, die als zentrales Höhlengrau bezeichnet wird. Diese Neuronen wurden dann aktiv, wenn die Mäuse den Zusammenhang zwischen Ton und einem Schock erkannten und im Furchtgedächtnis abspeicherten. Dieser Prozess führte zur Ausschüttung von Dopamin in der Amygdala, also jener Gehirnregion, wo sich bei Säugetieren emotionales Lernen abspielt. Der Botenstoff ermöglichte dort eine Abspeicherung des als bedrohlich empfundenen Tons im Langzeitgedächtnis.

Diesen neuronalen Schaltkreis gibt es auch beim Menschen. Die Wissenschafter vermuten, dass eine fehlerhafte Funktion an psychischen Störungen wie der posttraumatischen Belastungsstörung beteiligt sein könnte. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2018)

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