Bessere Therapie bei Risikopatienten

Durch ein niederösterreichisches Forschungsprojekt soll es möglich werden, schwere Nebenwirkungen von Proteintherapeutika künftig zu vermeiden. Profitieren sollen davon vor allem Menschen mit Bluterkrankheit.

Von der Forschung sollen vor allem Menschen mit Bluterkrankheit profitieren.
Von der Forschung sollen vor allem Menschen mit Bluterkrankheit profitieren.
Von der Forschung sollen vor allem Menschen mit Bluterkrankheit profitieren. – (c) REUTERS (Denis Balibouse)

Durch die gezielte Gabe von Proteinen in Form von Therapeutika (auch als Biologika bezeichnet) ist es heute möglich, bei etlichen schweren Erkrankungen in spezifische körperliche Vorgänge einzugreifen. Das passiert zum Beispiel bei Hämophilie (Bluterkrankheit), aber auch bei Tumor-, Autoimmun- oder Metabolischen Erkrankungen.

Protein-Therapeutika wirken, indem sie eine erwünschte Antwort im Organismus auslösen. So ermöglichen sie beispielsweise bei Patienten mit Hämophilie, fehlende Gerinnungsfaktoren zu ersetzen. Bei Autoimmunerkrankungen unterbinden Proteine bestimmte immunologische Vorgänge und bei Tumorerkrankungen aktivieren sie das Immunsystem.

Die Therapeutika werden jedoch nicht von allen Patienten in gleicher Weise vertragen. Bei manchen bilden sich spezifische Antikörper, die das Mittel unwirksam machen oder schwere Nebenwirkungen verursachen. Dem vorzubeugen, ist Ziel eines gemeinsamen Forschungsprojekts der IMC Fachhochschule Krems und der Karl-Landsteiner-Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL), von dem vor allem Hämophiliepatienten profitieren sollen.

Die beiden Wissenschafter Peter Allacher (Laborleiter des Forschungsinstituts für angewandte Bioanalytik und Wirkstoffentwicklung der IMC FH Krems) und Karl Zwiauer (Immunologe des KL/Universitätsklinikum St. Pölten) planen zu diesem Zweck, Grundlagenforschung mit klinischen Studien zu kombinieren.

 

Unbeabsichtigte Reaktionen

Bei rund einem Drittel aller Patienten mit schwerer Hämophilie A – also der hauptsächlich auftretenden Form der Bluterkrankheit, die durch das Fehlen des Gerinnungsfaktors VIII gekennzeichnet ist – komme es zu einer ungewollten Aktivierung des Immunsystems und zur Entwicklung von pathologischen Antikörpern gegen das Proteintherapeutikum, sagt Christian Lubich, stellvertretender Laborleiter an der IMC FH Krems.

Im Detail beschäftigt sich das Forschungsprojekt mit der Entstehung und auch mit den speziellen Eigenschaften dieser pathologischen Antikörper bei diesen Patienten. „Im Zuge des Projektes besteht die einzigartige Chance, auch Blutproben von Hämophilie-A-Patienten aus einer derzeit laufenden klinischen Studie zu testen“, sagt Lubich. In dieser Studie werden longitudinale Proben, das heißt mehrere Proben über einen längeren Zeitraum hinweg, von Patienten gesammelt, um die Entstehung dieser pathologischen Antikörper zu charakterisieren. Die Ergebnisse des Projekts sollen als Grundlage für die Entwicklung neuer diagnostischer Verfahren dienen. Lubich: „Ein besseres Verständnis über die pathologischen Antikörper und deren Entstehung kann zu einer personalisierten Risikoeinschätzung führen. Der Arzt könnte dadurch Patienten mit einem hohen Risiko, einen pathologischen Antikörper zu entwickeln, frühzeitig mit einer interventionellen Zusatztherapie behandeln.“

Die Etablierung der verschiedenen Testsysteme zur Charakterisierung der pathologischen Antikörper gegen den Gerinnungsfaktor VIII ist zum Großteil abgeschlossen. Die Probenmessung soll Anfang 2019 starten. Mit den finalen Ergebnissen des Projekts, das vom Technopol für Gesundheitswissenschaften in Krems betrieben wird, ist dann 2020 zu rechnen.

Lexikon

Technopole sind Zentren, die an einem Standort Forschung, Bildung und Wirtschaft vereinen. Standorte sind Tulln (Agrar- und Umweltbiologie), Krems (Gesundheitstechnologien), Wiener Neustadt (Medizin- und Materialtechnologie), Wieselburg (Bioenergie, Agrar- und Lebensmitteltechnologie). Das Technopol-Programm wird aus Mitteln des europäischen Regionalentwicklungsfonds EFRE sowie des Landes Niederösterreich finanziert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2018)

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