Kein Muster in Erfolgsläufen von Wissenschaftlern

90 Prozent haben ein Karrierehoch, das im Schnitt nur 3,7 Jahre dauert.

Wer hat, dem wird gegeben – in diesem Sprichwort lässt sich das aus der Soziologie kommende Konzept des „Matthäus-Effekts“ zusammenfassen. Umgelegt auf die Kunst erhöht sich demzufolge nach einem „Hit“ der Ruf seines Produzenten. Die Wahrscheinlichkeit, in der Folge einen weiteren Erfolg zu landen, steigt. Auch in der Welt der Wissenschaft bringt demnach die Strahlkraft früherer Erfolge größere Chancen mit sich, dass spätere Erkenntnisse gewürdigt werden. Dem folgend müsste es so etwas wie Erfolgsläufe geben, deren Auftreten typischerweise in der Mitte der Karriere häufiger sein müsste, mutmaßten Wissenschaftler von der Northwestern University, USA.

 

20.040 Forscherbiografien

Das Forschungsteam, dem auch die Komplexitätsforscherin Roberta Sinatra vom Complexity-Science-Hub (CSH) in Wien angehört, hat diese und weitere Thesen zu Karriereverläufen untersucht. Dazu analysierte man Daten von über 3480 Künstlern, 6233 Filmregisseuren und 20.040 Wissenschaftlern. Anders als in den Bereichen Sport, Glücksspiel oder Finanzmärkte wird das Phänomen der Erfolgsläufe bei diesen Berufsgruppen selten diskutiert. In den meisten der untersuchten Biografien fanden die Forscher zwar Anzeichen dafür, solche Episoden traten aber eher zufällig auf, blieben zeitlich begrenzt, waren meist einmalig und nicht durch höhere Produktivität gekennzeichnet. Dies berichteten die Forscher kürzlich im Fachblatt „Nature“. Bei Wissenschaftlern halten Karrierehochs übrigens am kürzesten, lediglich 3,7Jahre, an – bei Künstlern und Regisseuren immerhin gut fünf Jahre. (APA/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2018)

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