7200 Jahre alte Spuren von Käse aus Kroatien

Frühe Bauern an der dalmatinischen Küste hatten auch eigene Geräte für die Produktion von Käse.

Die Kulturgeschichte der Menschheit ist auch eine Geschichte des Käses. Im alten Mesopotamien sah man ihn als Geschenk der Götter: Man hatte diesen Milch geopfert, die durch unbeabsichtigte Fermentation zu Käse wurde. Auch Homer beschreibt in der Odyssee geronnene Milch; Hippokrates riet zum Käse als Heilmittel. Und kürzlich wurde ein 3200 Jahre altes Käsestück in einem ägyptischem Grab gefunden, genießbar war es nicht mehr – auch Käsereifung hat Grenzen. Doch die Käseproduktion ist viel älter: 7000 Jahre alte Höhlenmalereien, die in der libyschen Wüste gefunden wurden und grazile Rinder zeigen, deuten auf frühe Landwirtschaft hin. Noch etwas älter sind die Fettsäuren, die Forscher um Sarah McClure der Pennsylvania State University nun an Tonscherben aus zwei Dörfern an der dalmatinischen Küste gefunden haben (PLoS One, 5. 9.).

Dass Fettsäuren aus Milch stammen, weiß man aus der Isotopenanalyse: Milch enthält mehr 13C als Fleisch. Doch auch Spuren von Fleisch und Fisch wurden gefunden. Die jungsteinzeitlichen Bauern verwendeten offenbar verschiedene Töpfe für unterschiedliche Speisen. Und sie hatten spezielle Gefäße für die Käseproduktion, etwa einhenkelige Behälter und Siebe. Diese brauchten sie wohl, um nach der Fermentation den flüssigen Teil der Milch, die Molke, vom festen zu trennen.

 

Weniger Laktose, leichter verträglich

Wieso machten sich die Menschen überhaupt die Arbeit, Kühe und andere Tiere zu domestizieren, anstatt deren wilde Vorfahren einfach zu verspeisen? Eine Antwort gibt die Biochemie: Die frühen Europäer waren – wie heute noch die meisten Ostasiaten – als Erwachsene nicht fähig, Laktose zu verdauen und konnten deshalb keine Milch trinken. Käse hat einen geringeren Laktoseanteil, mit ihm wird die Milch leichter genießbar. Und gleichzeitig besser haltbar. Auch konnten die Menschen so das tierische Eiweiß nützen, ohne die Tiere töten zu müssen: eine nachhaltigere Variante.

Besonders für Kinder seien die kalorienreichen, wenig mit Krankheitserregern belasteten Milchprodukte wichtig gewesen, schreiben die Forscher: So habe die frühe Milchwirtschaft geholfen, die Kindersterblichkeit zu reduzieren. Und sie habe den Bauern die Ausbreitung in Richtung Norden erleichtert. (krop)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2018)

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