Neues Modell simuliert realistisch Hangrutschungen

Forscher warnt vor verfrühtem Praxiseinsatz.

(c) APA/EXPA/ JÜREGEN FEICHTER

Extreme Naturereignisse nehmen zu. Gleichzeitig wird unser Planet immer dichter besiedelt. Damit steigen das Risiko von Katastrophen und die Notwendigkeit für Prävention. Dämme, Lawinenverbauungen und andere Schutzmaßnahmen wollen aber richtig platziert sein. Auch Raumplanung und Frühwarnsysteme benötigen Computersimulationen von Hangrutschungen. Österreichische und deutsche Forscher haben jetzt ein neues Modell entwickelt, um diese realistisch zu simulieren. Derzeit stellen Programme Muren oder Lawinen stark vereinfacht dar, was der komplexen Realität oft nicht gerecht wird.

 

Geröll und Wasser in Bewegung

„Man hat Material von verschiedener Korngröße – von ganz feinem Schlamm bis hin zu großen Felsbrocken, dazu Wasser, im Extremfall Eis und Schnee“, erklärt der Geograf Martin Mergili vom Institut für Angewandte Geologie der Boku Wien. „Es gibt also viele Materialien, die zusammenwirken und sich als Gemisch zu Tal bewegen.“ Bei Naturereignissen spielen Gestein und Wasser ganz häufig zusammen. Das würde bisherige Berechnungsmethoden, die alle Materialien als homogene Masse zusammenfassen, an ihre Grenzen bringen.

Die Forschungsgruppe um Mergili hat ein Zwei-Phasen-Modell entwickelt, das Wasser und Schutt getrennt berücksichtigt. Die neue Simulationsumgebung namens Ravaflow ist frei verfügbar (Open Source). Der Übergang in die Praxis vollzog sich dabei schneller als erwartet: So wird das Modell in der Schweiz bereits für den Ernstfall verwendet. Mergili selbst würde sich stattdessen mehr Rückmeldungen zu möglichen Schwächen wünschen. (APA/cog)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2018)

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