Warum das Löwenmäulchen in zwei Farben blüht

In den spanischen Pyrenäen blüht das Große Löwenmaul in nächster Nähe zunächst magentafarben und dann gelb. Verantwortlich dürften „genomische Inseln“ sein, auf denen sich die Varianten klar unterscheiden.

Gab den Forschern Rätsel auf: das Große Löwenmaul (Antirrhinum majus).
Gab den Forschern Rätsel auf: das Große Löwenmaul (Antirrhinum majus).
Gab den Forschern Rätsel auf: das Große Löwenmaul (Antirrhinum majus). – (c) David Field

Das Große Löwenmaul (Antirrhinum majus) hat viele Trivialnamen. In Österreich nennt man es Froschgoscherl, mitunter heißt es Armsünderkraut, manche verniedlichen es als Löwenmäulchen. Die Oberösterreicher sagen lieber Maulauferl, in Schlesien pflückt man es als Hundskopf und in der Schweiz als Kalbsmaul. Gemeint ist dieselbe, bis zu 120 Zentimeter hohe Pflanze, von der es freilich lokal unterschiedliche Unterarten gibt. Sehr ungewöhnlich sind jedoch Varianten derselben Pflanzenart in unmittelbarer Nähe.

Zu beobachten sind solche entlang einer Straße, die von Barcelona in die Pyrenäen führt. Dort blüht das Große Löwenmaul erst magentafarben und dann gelb. Dazwischen liegt eine zwei Kilometer lange Hybridzone, in der sich die Blütenfarben vermischen – in der Biologie ist das ein schmaler Streifen. Ein Forschungsteam um Populationsgenetiker Nick Barton vom Institute of Science and Technology Austria bei Wien interessierte, warum die unterschiedlichen Blüten nicht auf größeren Flächen gemeinsam wachsen. Sie verglichen die Genomsequenz von 50Löwenmäulchen jeder Farbe und fanden im Erbgut schließlich „genomische Inseln“. Dort unterscheiden sich die beiden Varianten mehr als im restlichen „Genmeer“, also überall rundherum. Ihre Erkenntnisse präsentieren sie nun im Fachmagazin „Pnas“.

Ein Grund, warum die Inseln entstehen, dürfte darin liegen, dass die Gene rund um das Blütengen an diese gebunden sind. Sie sind quasi Gefangene auf der Blütengeninsel. Dissertant Tom Ellis hat überdies untersucht, wie der scharfe Unterschied zwischen magentafarbenen und gelben Populationen aufrechterhalten wird. Er wies nach, dass Bienen lieber die häufigste Blütenfarbe bestäuben: in magentafarbenen Populationen also magentafarbene Blüten, in gelben Populationen gelbe Blüten. Das verhindert, dass Gene ausgetauscht werden. (APA/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2018)

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