Das älteste Tierbild ist in Borneo

In Indonesien begannen Menschen etwa zur selben Zeit mit Höhlenmalereien wie in Europa.

Die älteste uns bekannte Höhlenkunst befindet sich neuerdings nicht in Europa, sondern in Südostasien: in den Bergen im Osten der Insel Borneo (in dem Teil, der heute zum Staat Indonesien gehört). Dort hat man schon in den 1990er-Jahren prähistorische Kunst gefunden: Tausende von offensichtlich absichtlich entstandenen Handabdrücken, dazwischen und daneben Darstellungen von Tieren.

Figuratives also, das ist den Forschern wichtig – denn die Darstellung von abstrakten Symbolen kam früher in der Menschheitsgeschichte. Erst im September berichteten Archäologen, dass sie ein mit Ockerstift gezeichnetes Muster in einer Höhle in Südafrika auf ein Alter von 73.000 Jahren datiert hätten. Doch das war eben nur ein Muster, neun gekreuzte Striche auf einem kleinen Stück Stein, die – gemeinsam mit anderen Artefakten wie gravierten Knochenstücken – belegen sollen, dass die Menschen der Art Homo sapiens damals schon in Symbolen denken konnten.

Doch deutlich jünger ist die figurative Darstellung, die Archäologen und Kulturwissenschaftler um Maxime Aubert (Griffith University, Australien) nun mit der Uran-Thorium-Methode auf ein Alter von mindestens 40.000 Jahren datiert haben. Sie zeigt in oranger Farbe ein Säugetier – welches, das können auch Experten für solche alte Kunst nicht sagen. Es könnte ein großes Huftier sein, schreiben sie, mit viel Fantasie kann man einen Speerschaft in seiner Flanke sehen. Zu verwischt ist das Bild, die Datierung erfolgte auch über die Kalkkrusten, die in den 40 Jahrtausenden darübergewachsen sind.

Verschiedene Zeichnungen auf Stein (undatierte Aufnahme) aus einer Höhle auf Borneo. Die Bilder auf diesem Stein sollen mindestens 40.000 Jahre alt sein.
Verschiedene Zeichnungen auf Stein (undatierte Aufnahme) aus einer Höhle auf Borneo. Die Bilder auf diesem Stein sollen mindestens 40.000 Jahre alt sein.
Verschiedene Zeichnungen auf Stein (undatierte Aufnahme) aus einer Höhle auf Borneo. Die Bilder auf diesem Stein sollen mindestens 40.000 Jahre alt sein. – APA/DPA/LUC-HENRI FAGE

Später kamen Menschenszenen

In Nature (7. 11.) analysieren die Forscher dieses Bild im größeren Zusammenhang, vergleichen es mit anderen Darstellungen aus den Höhlen auf Borneo und auf der benachbarten Insel Sumawesi. Häufig finden sich im Umfeld auch – offensichtlich absichtlich hergestellte – Handabdrücke in oranger Farbe, die bis zu 51.800 Jahre alt sind. Daraus schließen die Forscher, dass diese Tradition der Höhlenkunst mindestens so alt ist wie jene in Europa, also am ganz anderen Ende von Eurasien. Ob das ein Zufall ist oder das Ergebnis von weitläufigen Wanderungen, sei offen, schreiben sie.

In einer späteren Phase der indonesischen Höhlenkunst – vor ca. 20.000 Jahren – wurden die Handabdrücke mit Farbe aus Maulbeeren hergestellt, und die dazugehörigen Malereien zeigen recht bewegte Szenen mit Menschen. Für eine dritte Phase typisch sind schwarze Farbe und die Darstellung von Schiffen und geometrischen Mustern. Sie entstanden wahrscheinlich mit der Ankunft der Austronesier, frühestens vor 4000 Jahren.

 Die älteren und die neueren Bilder auf diesem Stein sollen von ihrem Entstehungsdatum her mindestens 20.000 Jahre auseinander liegen.
 Die älteren und die neueren Bilder auf diesem Stein sollen von ihrem Entstehungsdatum her mindestens 20.000 Jahre auseinander liegen.
Die älteren und die neueren Bilder auf diesem Stein sollen von ihrem Entstehungsdatum her mindestens 20.000 Jahre auseinander liegen. – APA/DPA/KINEZ RIZA

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