Alte BAUDENKMÄLER für künftige Generationen

Geschichtsforschung. Zeugnisse aus der Zeit des Ersten Weltkriegs werden wieder sichtbar gemacht. In den Nachfolgestaaten der Donaumonarchie will man ehemalige militärische Schauplätze für den Tourismus nutzen.

Brückenkopf Krems, Stützpunkt Göttweiger Berg.
Brückenkopf Krems, Stützpunkt Göttweiger Berg.
Brückenkopf Krems, Stützpunkt Göttweiger Berg. – (c) Reinhard Geitzenauer

Es sind einige Brüstungen und mit großen Steinplatten versehene Stufen unterhalb des Stifts Göttweig. Kaum jemand ahnt, dass es sich hier um den Restbestand des „Brückenkopfs Krems“ handelt, dessen Bau Kaiser Franz Joseph am 22. August 1914 per Unterschrift genehmigt hat. Und noch überraschender: Im ersten Kriegsmonat wurde offensichtlich mit einem Einfall des russischen Heers bis tief in die österreichischen Länder gerechnet und daher eine Verteidigungslinie entlang der Donau errichtet. Neben Krems wurden Brückenköpfe in Tulln, Wien, Bratislava (Slowakei) und Komorn (Ungarn) projektiert.

Die Reste der Kremser Anlage, die nur noch südlich der Donau zu sehen sind, gehören zu jenen historischen Baudenkmälern, die im Rahmen des von der EU finanzierten Projekts Networld (Networking in preserving the First World War multicultural heritage in the Danube countries) erforscht werden. Insgesamt neun Nachfolgestaaten der Donaumonarchie sind an dem Vorhaben beteiligt, die Projektleitung nimmt der slowenische Partner wahr. Für Österreich leitet Julia Walleczek-Fritz vom Zentrum für Kulturgüterschutz des Departments für Bauen und Umwelt der Donau-Uni Krems die Aufarbeitung der österreichischen Baurelikte aus der Zeit Ersten Weltkriegs.

Schon in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre hat der Österreicher Walther Schaumann mit dem von ihm gegründeten Verein Dolomitenfreunde die ehemaligen Kriegsstellungen der Dolomitenfront als „Via della pace“ bautechnisch gesichert und als Friedensweg touristisch zugänglich gemacht. Zehn Jahre später folgte die Sichtbarmachung des militärischen Höhenwegs in den Karnischen Alpen, der sich zur Gänze im heutigen österreichischen Staatsgebiet befindet. Bei alpinen Touren hat Julia Walleczek-Fritz diesen Friedensweg kennengelernt. Nach Studien in Deutschland, Slowenien, den USA sowie in Wien und Innsbruck ist sie zu diesem Zweig der Geschichtsforschung gestoßen.

Die Historikerin hat bisher insgesamt 30 Schauplätze in Österreich in die Onlinedatenbank von Networld aufgenommen. Darunter fallen auch Kriegsgefangenenlager, Lagerfriedhöfe, die russisch-orthodoxe Kapelle in Zagging bei St. Pölten, die von russischen Kriegsgefangenen errichtet wurde, oder die Gruft von Erzherzog Franz Ferdinand im Schloss Artstetten (NÖ).

Die Onlinedatenbank der neun beteiligten Länder war die erste Stufe des dreiteiligen EU-Projekts. In diesem Jahr erfolgte die Erhaltung der baulichen Reste und deren Präsentation. Führungen entlang des revitalisierten Verteidigungswegs am Abhang des Stifts Göttweig bietet beispielsweise das Tourismusbüro der Gemeinde Furth bei Göttweig an, wobei auch historische Fakten zum Kremser Brückenkopf erzählt werden.

 

Lehren für die Zukunft

Die kulturhistorische Nutzung steht an erster Stelle der historischen Baudenkmäler. Walleczek-Fritz: „Das sind Informationsangebote für historisch Interessierte, darüber hinaus für Institutionen oder Individualbesucher, die sich eine kulturhistorische Reise durch Österreich zusammenstellen.“ Auch Schüler können aus der Geschichte ihre Lehren ziehen.

Die Historikerin propagiert die ganzheitliche, alle Epochen umfassende Sicht der Geschichte. In der Sonderausstellung „Konflikten auf der Spur – von der Steinzeit bis zum Ende des Ersten Weltkriegs“ im „MAMUZ Museum Asparn/Zaya" in Niederösterreich setzt sie mit den historischen Zeugnissen aus den Weltkriegsjahren den Schlusspunkt (geöffnet bis 25. November).

Networld-Datenbank: https://ww1sites.eu/

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2018)

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