Klischees behindern die freie Berufswahl

Gleichberechtigung: Ohne Quoten und Co. geht es nicht.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Töchtertag, Girls' Day, Mentoringprogramm – die politischen Initiativen zur Begeisterung von Mädchen und jungen Frauen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik tragen viele Namen. Tatsächlich ändern diese punktuellen Maßnahmen wenig an der Tatsache, dass die Felder nach wie vor sehr männlich dominiert sind.

Zu diesem Schluss kommt auch die Sozialwissenschaftlerin Marita Haas in einer Studie über Karriereverläufe. Um Rollenbilder aufzubrechen, brauche es ein ermutigendes Umfeld und strukturelle Maßnahmen. In einem vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekt hat Haas die Lebensgeschichte von Wissenschaftlerinnen in technischen Berufsfeldern untersucht.

 

Umfeld ist entscheidend

„Entscheidungen und Karriereverläufe werden oft individuell dargestellt“, erklärt Haas, „doch sie können nicht unabhängig von Rahmenbedingungen betrachtet werden.“ Tiefe Einblicke in die Verflechtungen von individuellen und äußeren Genderfaktoren im Berufsleben erhielt sie durch Interviews, in denen die Frauen ihre Biografien erzählten. Die Analysen der Forscherin machen deutlich, dass Frauen, die sich für männlich dominierte Berufsfelder entscheiden, in der Regel von Familie, Schule, Mentorin oder Organisation dazu ermutigt wurden.

„Die Ergebnisse zeigen, dass es weniger um Vorbilder als um eine gewisse Offenheit in Bezug auf die Lebens- und Karriereplanung geht“, so Haas. Demnach kommt auch den viel zitierten fehlenden „Role Models“, also Personen, die als Beispiel für spezifische Rollen dienen, weniger Bedeutung zu als den fehlenden Strukturen für Geschlechtergleichstellung in relevanten Bereichen wie Bildung und Wirtschaft. (APA/cog)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2018)

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