Wenn die Maschine ein Leben lang schnurrt

Bei der Wartung von Produktionsmaschinen liegt noch einiges Potenzial brach. Wo genau, klärt eine neue Bewertungsmethode von Salzburger Forschern. Digitale Transformation heißt das Zauberwort.

Güntner deckt Potenziale in der industriellen Wartung auf.
Güntner deckt Potenziale in der industriellen Wartung auf.
Güntner deckt Potenziale in der industriellen Wartung auf. – (c) Bryan Reinhart photography/Salzburg Research

Georg Güntner prüft regelmäßig das Motoröl seines Autos, so wie es viele Fahrzeugbesitzer tun. Macht sein Laptop Probleme, nimmt er die Software unter die Lupe und betreibt Ursachenforschung. Und auch seinen Rasenmäher hält er durch kleinere Reparaturen in Schuss. Industrielle Instandhalter können über derlei Aktivitäten freilich nur schmunzeln, weiß er, seines Zeichens Forscher bei Salzburg Research, sehr genau: Sie schmieren und schrauben nicht nur Woche für Woche. Sie legen sich vernünftige Wartungsstrategien zurecht, um Gebrechen an der Maschine im rechten Moment zu verhindern.

Die Digitalisierung bietet ihnen dabei neue Möglichkeiten, zeigte schon 2015 die Studie „Instandhaltung 4.0“. Mit Sensoren etwa lässt sich tief ins Herz der Maschine schauen. Die Umfrage unter 250 Unternehmen machte aber auch deutlich: Zu einem echten Wertschöpfungsfaktor fehlt der Instandhaltung in vielen Betrieben noch einiges.

Das vom Wirtschaftsministerium geförderte Projekt „i-Maintenance“ griff den Ball auf. Es entstand ein methodischer Ansatz für die digitale Transformation der Instandhaltung. „Darunter auch eine Art Selbstcheck im Internet, der Unternehmen Auskunft darüber gibt, wie weit fortgeschritten sie schon sind“, sagt Güntner.

Das klingt simpler, als es in Wahrheit war: Zehn Schlüsselkriterien der Digitalisierung nahmen Salzburg Research und der Industriedienstleister Dankl + Partner in das eigens entwickelte Reifegradmodell – eine sehr verfeinerte Bewertungsmethode gängiger Instandhaltungsarbeit – auf. Etwa das Management von Daten und die Vernetzung von Komponenten. 75 Fragen wurden dazu definiert. Sie reichen von der Analyse von Störmeldungen bis zum Einsatz von Datenbrillen. Nach ersten Tests im Sommer 2017 schärfte man die Fragen dort, wo es nötig schien.

 

In zwei Unternehmen getestet

Im April 2018 ging das überarbeitete Tool online. Auf einer Skala von eins bis zehn wird der Handlungsbedarf beurteilt, etwa beim Ausbau digitaler Kompetenzen von Mitarbeitern. Ein Spinnennetzdiagramm dagegen visualisiert, wie man im Vergleich zu den Branchenbesten abschneidet.

Dann standen die Methoden in zwei Unternehmen auf dem Prüfstand. Beim Energiedienstleister Wien Energie wurden damit erfolgreich die Handlungsfelder für das digitale Management eines Wirbelschichtofens der Sondermüllverbrennungsanlage Simmeringer Haide identifiziert. Beim Salzburger Sonnenschutzhersteller Schlotterer ging es um die Optimierung der Wartung einer Komplettbearbeitungsmaschine für Außenjalousien.

Güntners Resümee fällt positiv aus. „Unsere Methoden und Werkzeuge erwiesen sich in der industriellen Praxis als tauglich“, sagt er. In einigen Bereichen lag das Optimierungspotenzial für die Unternehmen durch die Digitalisierung bei bis zu 30 Prozent.

IN ZAHLEN

75,7 Prozent aller 250 in der Studie „Instandhaltung 4.0“ befragten österreichischen, deutschen und Schweizer Instandhalter stimmen in folgendem Punkt überein: Die Wahl der richtigen Instandhaltungsmethoden ist – stimuliert durch die Digitalisierung – zu einer maßgeblichen Herausforderung geworden.

48,9 Prozent der Befragten aber haben immer noch wenig oder kein Vertrauen in technische Sensorik.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.11.2018)

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