Eine Milliarde Kilo Kohlenstoff versenkt

Fukushima-Beben schob Sedimente in Tiefseegraben.

Über 19.000 Tote und Vermisste, Hunderte Milliarden Euro Schäden, ein havariertes Kernkraftwerk in Fukushima – die Folgen des Tōhoku-Seebebens, das sich am 11. März 2011 vor der japanischen Ostküste ereignete, waren verheerend. Die Gewalt der Naturkatastrophe zeigte sich auch am Meeresboden: Die Erdkruste riss über eine Länge von 400 Kilometern auf, eine Fläche von mehr als 15.000 Quadratkilometern hob sich schlagartig um fünf Meter, einzelne Abschnitte rutschten 50 Meter nach Osten.

Dabei wurden auch gigantische Mengen an organischem Material versetzt, wie Forscher der Universität Innsbruck gemeinsam mit einem internationalen Team in einer vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Studie zeigen (Scientific Reports, 7.2.).

 

Menge überrascht Geologen

Bei mehreren Expeditionen von 2012 bis 2016 sammelten die Wissenschaftler hochauflösende topografische Daten und Sedimentproben im bis zu acht Kilometer tiefen Japangraben, die nun ausgewertet wurden.Die Ergebnisse überraschten die beteiligten Geologen: Während des Bebens wurde innerhalb kürzester Zeit eine Milliarde Kilogramm kohlenstoffhaltiger Substanz in die Tiefsee verschoben – das entspricht etwa einem Viertel der Jahresmenge des indischen Flusssystems Ganges-Brahmaputra.

„Das ist viel höher als erwartet“, sagt Tobias Schwestermann, Koautor der Studie. Die Arbeit stelle die erste großflächige Quantifizierung der organischen Kohlenstoffmassen in solchen Wassertiefen dar und unterstreiche die Relevanz dieser Prozesse in der Tiefsee, betont Studienleiter Michael Strasser: „Die Ergebnisse zeigen, dass wir in Zukunft auch an die tiefsten und am wenigsten erforschten Tiefseegräben unserer Weltmeere denken müssen, wenn wir über die globalen Kohlenstoffkreisläufe sprechen.“ (däu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2019)

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