Urgeschichte der Iberischen Halbinsel in neuem Licht

Neuankömmlinge aus pontisch-kaspischen Steppengruppen verdrängten die Männer der Region im Laufe von 500 Jahren.

Ein Mann und eine Frau, Seite an Seite bestattet in einer bronzezeitlichen Stätte in Castillejo de Bonete in Spanien, hatten unterschiedliche genetische Abstammung
Ein Mann und eine Frau, Seite an Seite bestattet in einer bronzezeitlichen Stätte in Castillejo de Bonete in Spanien, hatten unterschiedliche genetische Abstammung
Ein Mann und eine Frau, Seite an Seite bestattet in einer bronzezeitlichen Stätte in Castillejo de Bonete. Die Frau wies ausschließlich einheimisches Erbgut auf, während der Mann Vorfahren aus Mitteleuropa hatte. – Luis Benítez de Lugo Enrich und José Luis Fuentes Sánchez/Oppida

Es müssen turbulente Zeiten gewesen sein: Vor rund 4000 Jahren wurde die männliche Bevölkerung auf dem Gebiet des heutigen Spaniens und Portugals nahezu vollständig durch Einwanderer aus dem Osten verdrängt.

Das hat ein internationales Forscherteam um Ron Pihansi von der Universität Wien anhand genetischer Analysen von Skeletten aus verschiedenen Epochen sowie der heute lebenden Bevölkerung herausgefunden. Die Arbeit wurde in der Fachzeitschrift Science (15. 3.) publiziert.

Rückzug vor Vergletscherung

Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass innerhalb von nur etwa 500 Jahren – von 2500 bis 2000 v. Chr. – die zuvor vorherrschenden Varianten der Y-Chromosomen durch Erbgut von Männern aus pontisch-kaspischen Steppengruppen ersetzt wurden. Diese Veränderung in der genetischen Struktur ließe sich noch heute in der väterlichen Abstammung der meisten iberischen Männer nachweisen, schreiben die Forscher.

Eine weitere genetische Studie, die parallel in Current Biology (14. 3.) erschienen ist und mit Beteiligung von Kurt Alt von der Donau-Uni Krems entstand, blickt noch weiter zurück in die iberische Geschichte: Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor ca. 13.000 Jahren hat sich demnach die sogenannte Magdalenen-Kultur auf der Halbinsel erhalten können.

Bisher ging man davon aus, dass sie in dieser Periode von anderen Gruppen verdrängt wurde, wie es auch in Mittel- und Westeuropa geschah. Anhand von neu ausgewerteten DNA-Überresten konnten die Forscher aber zeigen, dass die Iberische Halbinsel ein Rückzugsgebiet zur Zeit der Vergletscherung war.(APA/däu)


[P9Q89]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2019)

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