„Das Ausmaß der Dynamik ist nicht ausreichend“

Trotz der Fortschritte in vielen Bereichen hat Österreich das Ziel, zu den Innovation Leaders in Europa aufzuschließen, klar verfehlt. Österreich liegt heute so wie 2010 auf Platz zehn im „European Innovation Scoreboard“.

Es hat sich in den vergangenen Jahren schon klar abgezeichnet, nun ist es quasi amtlich. „Wir werden das Ziel, Innovationsführer zu werden, nicht erreichen und nicht einmal in die Gruppe der Innovation Leader vorgedrungen sein“, sagte Hannes Androsch, Vorsitzender des Rats für Forschung und Technologieentwicklung, Anfang dieser Woche. Präsentiert wurde der aktuelle Bericht, mit dem der Forschungsrat im Auftrag der Bundesregierung alljährlich die Umsetzung der 2011 beschlossenen „Strategie für Forschung, Technologie und Innovation“ („FTI-Strategie“) bewertet.

Damals hat sich die Regierung u. a. vorgenommen, bis 2020 die Forschungsausgaben auf 3,76 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu steigern – aktuell sind es knapp 3,2 Prozent. Es gab auch keine anhaltende Verbesserung in diversen Länderrankings: Im „European Innovation Scoreboard“ z. B. ist Österreich heute so wie 2010 auf dem zehnten Platz.

Dies liegt allerdings nicht daran, dass es keine Fortschritte gegeben habe, betonte Forschungsratsvizechef Markus Hengstschläger: „Wir haben vieles erreicht, aber die anderen haben noch mehr gemacht“, sagte er. Das lässt sich auch in den verschiedenen Rankings ablesen: Der Abstand zwischen Österreich und der Gruppe der Innovation Leaders blieb seit 2010 im Wesentlichen gleich. Hengstschläger: „Das Ausmaß der Dynamik ist bei uns noch nicht ausreichend.“

In Zahlen: Das Ziel erreicht wurde bei 27 Prozent der 74 Indikatoren aus Bereichen wie Bildung, Grundlagenforschung, Innovation oder Governance, mit denen der Forschungsrat den Fortschritt misst. Beim Gros der Indikatoren hinkt Österreich hingegen weiterhin hinter den führenden Staaten nach. Das betrifft insbesondere den Output – also die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis, etwa in Form von Innovationen, die auf dem Markt erfolgreich sind. Beim Input liegt Österreich mittlerweile hinter Schweden auf Rang zwei in Europa und global in den Top fünf, der Output sei aber dennoch nur „moderat“, heißt es in dem Bericht. Die Performance des österreichischen FTI-Systems entspreche nicht den vorhandenen Potenzialen, man müsse verstärkt fragen, ob das Geld richtig ausgegeben wird.

 

Forschungsgipfel verschoben

Einige Gründe für die mäßige Performance benennt der Forschungsrat klar: Es gebe Effizienzbarrieren im Bildungs-, Hochschul-, Gründungs- und Förderungsbereich. Die Experten empfehlen die Steigerung der Qualität des Bildungssystems, die Weiterentwicklung des Hochschulraums, die Erhöhung der im Wettbewerb vergebenen Mittel für die Grundlagenforschung oder die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Unternehmensgründungen.

Auf Reformen und auf eine neue Forschungsstrategie muss allerdings noch etwas gewartet werden: Die Regierung hat den eigentlich für 7. Mai anberaumten FTI-Gipfel diese Woche kurzfristig in den Herbst verschoben.

Aus dem Wissenschafts- und dem Infrastrukturministerium hieß es dazu, dass die Fortschritte bei den Verhandlungen noch nicht zufriedenstellend seien. Androsch ortet insbesondere Probleme bei der Finanzierung von Vorhaben wie einer Exzellenzinitiative sowie bei dem seit Langem versprochenen Forschungsfinanzierungsgesetz, das mehrjährige Planungssicherheit für die Wissenschaft und Forschung bringen soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2019)

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