Wir werden dümmer. An den Migranten liegt es nicht.

Über viele Jahrzehnte stieg weltweit der mittlere IQ. Aber in jüngster Zeit stagnieren oder verschlechtern sich in vielen entwickelten Ländern die Testergebnisse. Eine Studie der Uni Wien zeigt: Mit Zuwanderung hat das Phänomen nichts zu tun.

Ihr Verhalten mag nicht sonderlich intelligent wirken, aber diese jungen Leute feiern gerade ihren Schulabschluss in einem Brunnen in Kiew.
Ihr Verhalten mag nicht sonderlich intelligent wirken, aber diese jungen Leute feiern gerade ihren Schulabschluss in einem Brunnen in Kiew.
Ihr Verhalten mag nicht sonderlich intelligent wirken, aber diese jungen Leute feiern gerade ihren Schulabschluss in einem Brunnen in Kiew. – (c) REUTERS (VALENTYN OGIRENKO)

„Deutschland schafft sich ab“, verhieß Thilo Sarrazin 2010. Die skandalträchtige These des Bestsellerautors: Migranten aus islamischen Ländern seien weniger intelligent. Die starke Zuwanderung drücke den mittleren IQ, umso mehr, als sich diese Leute eifriger fortpflanzen als Bio-Deutsche. Der Aufschrei war groß, Sarrazin verlor seinen Job als Bundesbankvorstand. Experten zum Thema reagierten verhaltener. Man musste ja nicht in die Niederungen rassistischer Spekulation über mindere Gene hinabsteigen, um dem Provokateur partiell recht zu geben: Bei der Intelligenz ist ein gewisser Anteil – zwischen 30 und 90 Prozent, je nach Studie – durch Umwelteinflüsse bedingt. Dass die Qualität der Ausbildung in Anatolien oder Afghanistan schlechter ist als in Mitteleuropa, erklärt tatsächlich vorhandene Unterschiede im IQ-Schnitt, ebenso wie schwächere Pisa-Ergebnisse in Staaten mit starker Zuwanderung aus weniger entwickelten Ländern. Aber groß konnten die Einflüsse nicht sein. Denn das Niveau der Migranten passte sich offenbar rasch an, wie eine niederländische Studie von 2004 gezeigt hatte.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2019)

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