Wie sich in Europa Schweine mit Wildschweinen mischten

Die Säugetiere, aus deren Fleisch die meisten Wiener Schnitzel gemacht werden, wurden im Nahen Osten domestiziert.

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Wenn leutselige Politikerinnen das Schnitzel als preisgünstig zu haltendes Kulturgut entdecken, denkt der gelernte Österreicher an Schweinefleisch: Dieses hat etwa der FPÖ-Politiker Maximilian Krauss explizit angesprochen, als er davor warnte, dass Kinder zum Verzicht auf Schweinefleisch „gezwungen“ würden – wohl wissend, dass Angehörige zweier hiesiger Religionen, des Judentums und des Islam, auf dieses verzichten.

Woher kommt dieses uralte Speiseverbot? Der „praktischen“ Erklärung, dass Schweine in heißen Gegenden besonders gute Überträger von Krankheiten seien, widersprechen Archäologen: Sie haben zwar in Ausgrabungen früher israelitischer Dörfer keine Schweineknochen gefunden, in umliegenden Siedlungen aber auffällig viele. „Vielleicht hörten die Proto-Israeliten einfach deswegen auf, Schweinefleisch zu essen, weil die Nachbarvölker es aßen und sie begonnen hatten, sich als etwas anderes zu betrachten“, schrieben Israel Finkelstein und Neil Asher Silberman in „Keine Posaunen vor Jericho“. Das Speiseverbot als Mittel der Selbstbestimmung, vielleicht auch der Abwehr von Fremdkulten, wie der Religionswissenschaftler Jörg Sieger vermutete?

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2019)

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