Wissenschaft: Noch mehr Wasser auf dem Mond

In Vulkangestein fanden sich Spuren aus dem Mondinneren. Dieses Wasser entsteht und vergeht immer wieder. Anzeichen von Phyllosilikaten, das sind Gesteine, die zur Entstehung Wärme und Wasser brauchen.

(c) AP

Als Petrologe Larry Taylor 1970 Mondgestein (von Apollo11) analysierte, war es so trocken, dass er versprach, seine Shorts zu essen, falls man je Wasser auf dem Nachbarn finden würde. Unlängst musste er sein Wort halten – symbolisch, er verzehrte eine Torte in Shorts-Form –, der Mond hat Wasser allerorten. 1999 fand sich die erste Spur, die Astronomin Faith Villas bemerkte auf Fotos vom Südpol (von Asteroiden bekannte) Anzeichen von Phyllosilikaten, das sind Gesteine, die zur Entstehung Wärme und Wasser brauchen. Aber das Dogma vom staubtrockenen Mond hielt, Villas konnte ihren Fund erst 2008 publizieren.

Das war gerade noch rechtzeitig, kurz darauf fand die indische Sonde Chandrayaan-1 Zeichen davon, dass es überall auf dem Mond Wasserstoff-Sauerstoff-Verbindungen gibt: Sie maß Reflexionen von Sonnenlicht durch Mondgestein und fand eine Wellenlänge, die auf H-O-Verbindungen deutet, das konnte Wasser sein (H2O) oder Hydroxyl (OH). Zwei Nasa-Sonden bestätigten den Fund und machten eher H2O wahrscheinlich. Woher soll das kommen? Möglicherweise von Wasserstoffionen im Sonnenwind, die könnten aus Mondgestein Sauerstoff herausschlagen und sich mit ihm zusammentun.

 

Problem: Mondentstehung

Dieses Wasser entsteht und vergeht immer wieder. Der jüngste Fund hingegen deutet auf Uraltes: Eine Gruppe um Jeremy Boyce (Caltech) hat wieder Mondgestein analysiert (diesmal von Apollo 14): Basalt mit Einschlüssen von Apatit, das ist eine Sammelbezeichnung für Kalziumphosphate. Und in dem Apatit war zwar kein Wasser, sondern Hydroxyl. Aber das kam vermutlich von Wasser, das einmal tief im Inneren des Mondes war, dort beim Ausbruch von Vulkanen mitspielte und mit ihrem Gestein an die Oberfläche kam. „Es war seit der frühen Geschichte des Monds in ihm“, schließt Boyce. Aber das bringt ein Problem: Wenn der Mond es schon früh hatte, muss es von der Erde stammen, aus der der Mond – nach der gängigen Theorie – herausgeschlagen wurde. Dabei hätte das Wasser verloren gehen müssen. jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2010)

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