Ötzis letztes Mahl: Steinbock

Gene im Magen zeigen, welche Mahlzeit der Mann aus dem Eis kurz vor dem Tod verspeiste. Er hatte zwar noch alle Zähne im Mund, aber seine Zähne waren abgeschliffen und löchrig

(c) ORF

Er hatte zwar noch alle Zähne im Mund, der Mann aus dem Eis, als er im Alter von etwa 40 vor 5200 Jahren am Tisenjoch nahe dem Hauslabjoch in den Ötztaler Alpen zu Tode kam, aber beim Essen muss er sich schwergetan haben: Seine Zähne waren abgeschliffen und löchrig, zwei halb eingeschlagen. Das zeigt eine neue Analyse seines Gebisses und der – partiell stark entzündeten – Kieferknochen, deren Befund der Zahnarzt Roger Seiler und der Anatom Frank Rühli (Universität Zürich) auf dem 7. Weltkongress für Mumienforschung in San Diego vorgetragen haben (Sciencenow, 20.6.).

Es hänge mit der neuen Ernährung in der Steinzeit zusammen, vermutet Albert Zink vom „Institut für Mumien und den Iceman“ (Bozen): „Wir wissen, dass er Getreidekörner gegessen hat, Einkorn und Emmer. Deren Kohlehydrate erhöhten das Risiko der Entwicklung von Zahnkrankheiten.“ Und vor allem sorgten sie für das gute Gedeihen von Bakterien, die die Zähne zerfraßen.

 

Gene deuten auf braune Augen

Aber Ötzi ließ es sich offenbar trotzdem schmecken. Vier Stunden vor seinem Tod aß er Hirschfleisch, dessen Spuren hatte man früher schon im Darm entdeckt. Und 120 bis 30 Minuten vor dem Tod griff er wieder zu: Frank Meixner vom Iceman-Institut hat auf Röntgenbildern aus dem Jahr 2005 nun Ötzis Magen entdeckt – er war stark nach oben verschoben – und den Inhalt auf seine DNA hin analysiert: Steinbock hatte der Mann aus dem Eis als letztes Mahl, auch ein paar Körner. Die betrachtete er wohl mit braunen Augen. Das ist der erste Befund der fertiggestellten Genom-Sequenzierung, den Angela Graefen vom Iceman-Institut auf der Tagung präsentierte. Bisher war man davon ausgegangen, dass Ötzi blaue Augen hatte.

Im nächsten Schritt will Graefen klären, ob Ötzis Krankheiten – Arthritis etwa – mit Gen-Dispositionen zusammenhängen. jl

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2011)

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