Neue Aussicht auf Stammzellen und Klone von Menschen

US- Forscher haben mit einer Variante des „Dolly“-Verfahrens humane Embryos bzw. ihre Stammzellen gewonnen.

(c) ASSOCIATED PRESS (ADVANCED CELL TECHNOLOGY)

Im Jahr 2004 starrten nicht nur Molekularbiologen mit aufgerissenen Augen nach Seoul: Dort war Woo Suk Wang etwas gelungen, was Hoffnungen und Nachtmahre ohnegleichen auslöste, embryonale Klone erwachsener Menschen. Das war bei Säugetieren erstmals 1996 an „Dolly“, dem Schaf, gelungen. Nach dessen Prinzip hatte Wang nun Kopien von Menschen gezogen: Er hatte Eizellen entkernt – über 2000, er hatte sie Mitarbeiterinnen abgepresst, wie sich später zeigte –, und einen neuen Kern in sie gebracht, einen von einer erwachsenen Zelle, etwa eine Hautzelle. Damit erhielt er Embryos, die genetisch identisch waren mit dem Spender der Hautzelle (fast identisch: Die kleine mitochondriale DNA stammte von der Eizelle). Er ließ sie nicht weit heranreifen, er wollte keine Klone wachsen lassen, er entnahm ihnen embryonale Stammzellen (ES).

Das war der Zweck des Ganzen, und das war Sensation genug: Aus den ES hätte man theoretisch Transplantationszellen jeden Typs für den Hautzellspender ziehen können, sein Immunsystem hätte sie nicht abgewehrt. Dann platzte der Zauber, Wang war nicht nur auf bösen Wegen zu den Eizellen gekommen, seine ganze Arbeit war eine Fälschung. So wanderten die Hoffnungen der Medizin nach Japan, zu Shinya Yamanaka, der 2008 ein anderes Verfahren zur Verjüngung von Zellen ersann: Er brauchte dafür keine Eizellen, sondern nur ein paar Gene, das Produkt nannte er induzierte pluripotente Stammzellen (iPS). Die sind ES sehr ähnlich, aber sie sind keine, und zuletzt mehrten sich die Zeichen, dass auch diese Hoffnung trügen mag.

 

Embryoentwicklung braucht Eizellkern

Nun schlägt das Pendel zurück, zu ES: Dieter Egli (New York Stem Cell Foundation) ist gelungen, was Wang nur vorgetäuscht hat. Allerdings sind seine Kreaturen etwas monströs: Sie haben in ihren Zellen drei Chromosomensätze. Denn auch Egli hat mit Eizellen begonnen – 200, er hat sie gekauft –, ihnen aber den Kern nicht entnommen. Sondern zusätzlich den Kern einer Hautzelle eingeführt. Diese Gebilde entwickelten sich bis ins Stadium von Blastozysten – 70 bis 100 Zellen –, Egli konnte ihnen ES entnehmen (Nature, 478, S.70). Er hat damit gezeigt, dass irgendetwas in der Kern-DNA für die Entwicklung von Embryos entscheidend ist – und danach sucht er jetzt. Denn seine Zellen mit den drei Chromosomen könnten nie medizinische Anwendung finden. Sie haben mit normalen Zellen wenig zu tun, und sie wären hoch tumorgefährdet: Aneuploidie – eine falsche Zahl von Chromosomen – hat viel mit Krebs zu tun. Aber sie wecken auch keine Sorge vor dem Klon: Von Natur her aneuploide Embryos sterben in den meisten Fällen sehr früh und von ihren Müttern unbemerkt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2011)

Kommentar zu Artikel:

Neue Aussicht auf Stammzellen und Klone von Menschen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen