Pille bringt weniger Scheidungen

Mit der Pille wählen Frauen eher zuverlässige als attraktive Männer. Das kittet zusammen. Ungeklärt bleibt, was geschieht, wenn sie nach der Partnerwahl auf Dauer abgesetzt wird.

(c) Fabry

Nichts hat in den letzten 50 Jahren die Gesellschaften so verändert wie eine Pille: die Pille. Sie hat Sexualität und Reproduktion entkoppelt, und sie hat die Entscheidung über Letztere in die Hände der Frauen gelegt. Aber sie steuert die Entscheidung vermutlich auch mit, und sie ist nicht nur ein soziales Experiment, sondern auch eines der Biologie: Frauen bevorzugen einen anderen Männertyp, wenn sie die Pille nehmen.

Das liegt an ihrer, der Frauen Nase bzw. am „major histocompatibility complex", MHC. Das ist eine Gengruppe, die mit einem Duft verbunden ist und dafür sorgt, dass Männchen mit möglichst weit entlegenem MHC gewählt werden. Man hat es an Mäusen bemerkt und später auch an Menschen: Frauen wählen entlegenen MHC - außer wenn sie die Pille nehmen, die dem Körper eine Schwangerschaft vorgaukelt, dann bevorzugen sie möglichst verwandten MHC. Das interpretierte man so, dass Frauen ohne Pille sexuell attraktive Partner mit „guten" Genen suchen, Frauen mit Pille bzw. dadurch vorgetäuschter Schwangerschaft hingegen zuverlässige Väter, die für das kommende Kind sorgen werden.

Soziale vs. sexuelle Attraktion

Das hat sich bisher nur in Labors gezeigt, nun ist Craig Roberts (Stirling) in die Gesellschaft gegangen und hat 1761 Frauen befragt, die in Beziehungen leben bzw. lebten. Dabei zeigte sich, dass Frauen, die unter dem Einfluss der Pille gewählt hatten, im späteren Zusammenleben ihre Männer als weniger sexuell attraktiv einschätzten und auch eher die Scheidung einleiteten, wenn es zu einer Trennung kam. Aber es kam seltener dazu, weil diese Frauen zufriedener mit der Unterstützung durch ihre Männer beim Großziehen der Kinder waren (Proc. Roy. Soc. B., 12. 10.). Die Pille bringt also festere Beziehungen. Ungeklärt bleibt, was geschieht, wenn sie nach der Partnerwahl auf Dauer abgesetzt wird, das hat Roberts nicht gefragt.

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