Auch Ruth Wodak aus der Akademie ausgetreten

Österreichische Akademie der Wissenschaften muss – nach Renée Schroeder und Gunther Tichy – einen weiteren namhaften Verlust hinnehmen. Sprachwissenschaftlerin Ruth Wodak nannte keinen Grund für ihren Schritt.

(c) APA

In einem Brief an Helmut Denk, den Präsidenten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), hat die Sprachwissenschaftlerin Ruth Wodak ihren Austritt bekannt gegeben. Sie war korrespondierendes Mitglied der Gelehrtenvereinigung.

Der mit 6. Juni datierte Brief, der der Austria Presse Agentur im Faksimile vorliegt, hat das Büro des Präsidenten Denk noch nicht erreicht. „Wir wissen davon nur aus den Medien“, heißt es dort.

Im Brief nennt Wodak keinen Grund für ihren Schritt, doch schon der aufsehenerregende Austritt der Molekularbiologin Renée Schroeder am 8. Mai hatte mit ihr zu tun. Schroeder hatte in ihrem Brief keinen Namen genannt und nur von „exzellenten WissenschaftlerInnen“ geschrieben, „denen es wegen ihres kulturellen Hintergrundes oder ihrer politischen Einstellung nicht möglich ist, Mitglied dieser Gesellschaft zu werden“. Doch es ist bekannt, dass sie besonders davon enttäuscht war, dass die Wahl Ruth Wodaks zum „wirklichen Mitglied“ der ÖAW mehrmals gescheitert war.

Ruth Wodak, geboren 1950 in London, seit 1959 in Wien, hat 1974 an der Uni Wien über „Soziolinguistische Ansätze zu einer Theorie der Verbalisierung“ dissertiert, seit 1983 ist sie Professorin für Angewandte Sprachwissenschaft. 1996 wurde sie mit dem ersten Wittgensteinpreis ausgezeichnet: Dieser am höchsten dotierte Wissenschaftspreis Österreichs wird vom Wissenschaftsfonds FWF ausgeschrieben. Nach Auslaufen dieser Förderung verließ Wodak Wien und ging nach England an die Universität Lancaster. In einem APA-Interview beklagte sie, die ÖAW, wo sie ihr Wittgenstein-Forschungsprojekt angesiedelt hatte, habe nach dessen Ende „das Forschungszentrum nicht unterstützt, mich als Leiterin nicht akzeptiert, mein Team und das aufgebaute und international sehr anerkannte Zentrum für Diskursforschung dadurch zerstört“. APA/tk

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