Viel Aufklärungsarbeit notwendig

Die Tiroler Ärztin Valeria Colleselli ist im Rahmen ihrer Ausbildung an Studien beteiligt, die die Wirkung neuer Brustkrebstherapien untersuchen.

Valeria Colleselli
Valeria Colleselli
(c) Uwe Schwinghammer

Für Valeria Colleselli „brauchte der Tag ein paar Stunden mehr“. Die junge Tirolerin befindet sich gerade in der Facharztausbildung zur Gynäkologin an der Klinik Innsbruck. Neben ihrer Tätigkeit als Assistenzärztin ist sie aber auch an einigen Forschungsprojekten beteiligt. Und da sie auch noch ein bisschen Privatleben haben möchte, leidet sie unter ständigem Zeitmangel. Eigentlich war sich Valeria Colleselli zu Beginn ihres Medizinstudiums ja sicher, dass sie sich auf Kinderheilkunde spezialisieren würde. Eine Famulatur an der Klinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin ließ sie aber ihre Meinung ändern.

Colleselli entschloss sich für Gynäkologie, „weil das so weit gefächert ist“. Die Stelle, die die junge Medizinerin nun innehat, ist eine der Universität. Daher gehört es quasi zu ihrer Jobbeschreibung, sich neben der Patientenversorgung auch der Forschung zu widmen. Derzeit hat Colleselli zwei kleinere Projekte am Laufen.

Eines betrifft eine empirische rückblickende Datenanalyse zu einer Gruppe von Brustkrebspatientinnen. Dabei handelte es sich um ältere, bereits durch andere Erkrankungen beeinträchtigte Frauen, die keiner Operation unterzogen wurden. Diese Patientinnen litten unter hormonabhängigen Tumoren. Colleselli erforscht anhand der Daten die Erfolgsrate von sogenannten Hormonblockaden. Diese werden angewandt, um dem hormonabhängigen Tumor quasi seinen Nährstoff zu entziehen und ihn so zu verkleinern bzw. an weiterem Wachstum zu hindern.

 

Erfolg der Medikamente verglichen

In einer zweiten Studie beschäftigt sich die Medizinerin mit einem Thema aus der Reproduktionsmedizin. Darin geht es um die sogenannte „missed abortion“ (verhaltene Fehlgeburt) bei Frühschwangerschaften. Das Kind stirbt im Mutterleib, geht aber nicht ab. Prinzipiell bestehen in einem solchen Fall drei Möglichkeiten: Man wartet zu, man entfernt den Fötus unter Vollnarkose, oder man verabreicht der Patientin Medikamente, die den Abgang einleiten. Von 2006 bis 2012 wurden zwei solcher Medikamente verabreicht. Colleselli untersuchte diesen Zeitabschnitt, in dem es oft zu unzufriedenstellenden Ergebnissen kam, der Fötus also nicht komplikationsfrei abging. In der Zeit ab 2012 wurde das Medikamentenschema geändert, und Collesellis Untersuchungen zeigten, dass sich die Erfolgsraten daraufhin besserten.

Allerdings kommt sie in beiden Projekten nicht so viel zum Forschen, wie sie das gern hätte. Aus sehr verständlichen Gründen: „Vom Gewissen her geht selbstverständlich die Patientenversorgung vor.“

Und als wäre das noch nicht genug, war die 29-Jährige noch sehr in einem weiteren Projekt engagiert: Sie „rekrutierte“ am Brust-Gesundheit-Zentrum Tirol, wo sie zwei Semester lang tätig war, Teilnehmerinnen für Studien, bei denen es um die Erprobung neuer medikamentöser Behandlungen ging. Für dieses Engagement erhielt sie im vergangenen Herbst den mit 3000 Euro dotierten Young Investigator Award der österreichischen Studiengruppe Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG). Für diesen Preis wurde die Ärztin von ihren Kollegen vorgeschlagen.

Collesellis Aufgabe war es vor allem, einen Überblick über die laufenden Studien zu haben, potenzielle Patientinnen zu identifizieren, sie aufzuklären und zu betreuen. Colleselli: „Es gibt bei uns ein großes Tumor-Board, in dem man jeden Fall im Team bespricht und dabei auch im Hinterkopf hat, welche Patientinnen man in eine Studie einschließen könnte.“

Danach gilt es, Aufklärungsarbeit zu leisten: „Man muss den Patientinnen erläutern, was eine konventionelle Behandlung bedeutet und was eine Teilnahme an einer Studie heißt. Viele haben vielleicht schon etwas darüber gelesen, viele wissen noch gar nichts.“

 

Manche vertrauen lieber auf Erprobtes

Die Teilnahme an Studien würde oft große Hoffnungen wecken, aber auch abschrecken: „Manche Patientinnen vertrauen lieber auf das Erprobte.“ Insgesamt aber, so Colleselli, tue sich gerade bei der Immuntherapie bei Krebspatienten enorm viel. Mit dem großen Vorteil, dass die Medikamente meist oral eingenommen werden können und gut verträglich sind.

Mit dem Preisgeld fuhr die junge Ärztin übrigens nicht auf Urlaub, sondern zu einem Brustkrebs-Symposium in San Antonio in den USA: „Für Flug, Unterkunft, Registrierung hätte mir sonst das Geld gefehlt.“

ZUR PERSON

Valeria Colleselli wurde 1987 in Rum bei Innsbruck geboren. Von 2006 bis 2012 studierte sie Humanmedizin an der Med-Uni Innsbruck. Ab Jänner 2013 war sie Turnusärztin in der chirurgischen Abteilung am Krankenhaus St. Vinzenz Zams, bevor sie im November 2013 an die Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe Innsbruck wechselte. Ihr nächstes großes Ziel ist die Ablegung der Facharztprüfung in wenigen Wochen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2017)

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