Im Sprint zu Innovationen

Katja Hutter, seit 2016 Professorin für Marketing und Innovation an der Uni Salzburg, forscht an Methoden, um schnell und effizient neue Produkte und Lösungen zu entwickeln.

Denken und Strukturen lassen sich öffnen, indem man die intelligente Masse befragt oder Mitarbeiter besser vernetzt: Katja Hutter.
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Denken und Strukturen lassen sich öffnen, indem man die intelligente Masse befragt oder Mitarbeiter besser vernetzt: Katja Hutter.
Denken und Strukturen lassen sich öffnen, indem man die intelligente Masse befragt oder Mitarbeiter besser vernetzt: Katja Hutter. – (c) Wildbild

Die internationale Weltraumstation ISS wird mit Sonnenenergie betrieben. Bei der Frage, wie man die dafür nötigen Solarpaneele so positioniert, dass dabei die maximale Energieausbeute erzielt wird, verließ sich die Nasa nicht nur auf ihre eigenen Experten. Sie fragte kreative Menschen, die Spaß am Lösen von Problemen haben und sich auf der Plattform Topcoder zusammenfinden.

Das Ergebnis: Weltweit nahmen 459 Personen an dem Wettbewerb teil, es gingen dabei rund 2.000 Vorschläge ein. „Darunter waren auch zahlreiche Möglichkeiten, um mehr Energie zu gewinnen als bei der bestehenden Lösung“, erzählt Katja Hutter. Die 34-Jährige ist seit 2016 Professorin für Marketing und Innovation an der Uni Salzburg. Ihr Forschungsgebiet: Methoden, um Innovationsprozesse schneller voranzutreiben und kreatives Potenzial von außen geschickt zu nützen.

 

Krawatte weg – andere Perspektiven

Kennengelernt hat die Pinzgauerin – sie stammt aus Rauris – die Methoden der sogenannten Open Innovation an der Universität Innsbruck bei ihrem Doktorvater, Kurt Matzler, und an der Harvard University, wo sie mit dem renommierten Forscher Karim Lakhani zusammenarbeitete. Ein Schrödinger-Stipendium ermöglichte ihr nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften und der Doktorarbeit an der Universität Innsbruck den USA-Aufenthalt. Die Forscherkarriere sei eigentlich nicht geplant gewesen. Bei einer Konferenz, bei der sie ihre Diplomarbeit über das Phänomen „Second Life“ präsentierte, fing sie Feuer und entschied sich für die Wissenschaft.

„In Zeiten der Digitalisierung müssen Unternehmen ihre Innovationsprozesse schneller vorantreiben“, beobachtet die Wissenschaftlerin. Es reicht nicht mehr, mit kontinuierlichen Verbesserungen die Entwicklung linear voranzutreiben. Kunden wollen heute vollkommen Neues. Und das in immer kürzeren Abständen. „Das entsteht nur, wenn man sich öffnet“, sagt Hutter. Die Crowd – die intelligente Masse – zu befragen, kann ein Ansatz sein. Aber auch innerhalb der Unternehmen steckt viel Innovationspotenzial, wenn man Mitarbeiter vernetzt. Hutter erzählt das Beispiel einer deutschen Bank, die rund 200 Mitarbeiter für drei bis vier Wochen nicht ins Büro, sondern in das Innovationslabor HYVE schickte. Johann Füller, mit dem Hutter an der Universität Innsbruck eng zusammenarbeitete, hat dieses Projekt mit dem Ziel, neue Produkte für die Bank zu entwickeln, aufgesetzt. „Nach einigen Tagen waren die Banker, die anfangs noch in Anzug und Krawatte erschienen waren, in ihrem Outfit nicht mehr von den Kreativen des Innovationslabors zu unterscheiden“, erzählt Hutter. Auch im Kopf waren neue Perspektiven entstanden.

Im Zentrum der Arbeit der Salzburgerin stehen Methoden, wie Innovation in sehr kurzer Zeit gelingt. Es geht darum, sehr rasch ins Tun zu kommen“, erläutert die Wissenschaftlerin: „Klassische Innovationsprozesse dauern zu lange, bis ein erster Prototyp entsteht.“ Heute brauche Innovation viel mehr Tempo.

„Man muss die richtigen Fragen stellen“, nennt Katja Hutter eine der Voraussetzungen für erfolgreiche Innovation. Als Nächstes seien Anreize notwendig, um die externen Experten für die Mitarbeit zu gewinnen. Das kann ein Preisgeld ebenso sein wie der Spaß an der Sache oder der Austausch mit Gleichgesinnten.

 

Auch die Uni muss innovativer werden

An der Universität sieht Hutter ebenfalls Innovationspotenzial. „Auch die Bildung ist vor digitalen Transformationen nicht gefeit“, betont sie. Deshalb müsse sich eine Universität überlegen, wie sie künftig ein attraktives Universitätsprogramm mache. Einfach nur Vorlesungen online zu stellen, reiche nicht, ist sie überzeugt. Universitäten sollten den Studierenden die Grundlagen vermitteln, danach müsse es stark in die Anwendung gehen. Hutter setzt deshalb auf die Zusammenarbeit mit der Praxis. Bei den von ihr kürzlich organisierten Salzburg Innovationsdays entstanden binnen 48 Stunden viele kreative Produktideen für jene fünf Unternehmen, die die Veranstaltung unterstützt hatten.

ZUR PERSON

Katja Hutter (34) stammt aus Rauris im Salzburger Pinzgau. Nach der Matura studierte sie an der Universität Innsbruck Wirtschaftswissenschaften. Sie entschied sich für eine wissenschaftliche Karriere und befasste sich stark mit dem Thema Open Innovation. Ein Schrödinger-Stipendium ermöglichte ihr einen Forschungsaufenthalt an der Harvard University. Seit März 2016 ist Hutter Professorin für Marketing und Innovation.

Alle Beiträge unter:diepresse.com/jungeforschung

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2017)

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