Offener Umgang mit Homosexualität

31.12.2010 | 11:38 |  von Veronika Schmidt (Die Presse)

Thomas Köllen untersuchte den Wert von »Diversity Management« für Homosexuelle in der Finanzbranche: Ein offenes Arbeitsklima hilft allen Beteiligten.

Wenn ein schwuler Mitarbeiter auf Urlaub fährt, erzählt er dann den Kollegen im Büro, er wäre mit „einem Freund“ oder „seinem Freund“ unterwegs? Das hängt vom Arbeitsklima ab, wie Thomas Köllen, der am WU-Forschungsinstitut für Gender und Diversität tätig ist, in seiner Dissertation herausgefunden hat (WU Wien, Betreuerin Edeltraud Hanappi-Egger).

„Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass man in jedem neuen Job ständig Entscheidungen treffen muss, was man wem wie erzählt“, sagt Köllen. Dank des ÖAW-Doc-Team-Stipendiums konnte er untersuchen, wie Organisationen ihr Arbeitsklima für lesbische und schwule Mitarbeiter verbessern können – inklusive eines Aufenthalts in Frankfurt, um Daten über betriebswirtschaftliche Wirklichkeiten aus dem Finanzsektor zu sammeln: „In einer Querschnittserhebung konnte ich 1300 Online-Fragebögen auswerten, in dem Homosexuelle in Deutschland ihren Arbeitsalltag beschreiben. Die ergänzende Fallstudie konzentrierte sich auf die Commerzbank und die Deutsche Bank, die innerhalb ihres ,Diversity Management‘ unter anderem bereits schwul-lesbische Netzwerke haben.“ Im Vergleich zur restlichen Finanzbranche gehen Homosexuelle in den Banken mit „Diversity Management“ offener mit ihrer Orientierung um.

„Die Studien zeigten klar, dass es drei Maßnahmen gibt, die zu einem offenerem Arbeitsklima führen.“ Erstens eine Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften mit der Ehe, wenn es um Partnerkonditionen, Pensionsvorsorge und Krankenversicherung geht. „Hängt man die Gleichstellung an die große Glocke, wirkt das sehr positiv.“ Zweitens erleichtert es den Alltag, wenn Homosexualität allgemein im Unternehmen thematisiert wird, etwa in einem Beitrag in der Mitarbeiterzeitung. Drittens wirkt es auch nach innen positiv, wenn das Unternehmen nach außen Werbung für die Gay Community macht.

Je offener das Klima, umso weniger stereotyp verhalten sich Homosexuelle am Arbeitsplatz. Je feindlicher die Umgebung, umso eher ziehen sich die Mitarbeiter zurück von persönlichen Gesprächen (gemeinsames Mittagessen, After-Work-Bier) oder geben vor, heterosexuell zu sein. Für das Unternehmen zahlt es sich also aus, ein offenes Arbeitsklima zu schaffen, da seine Mitarbeiter so weniger Energie in das Verstecken, Verschleiern oder Rechtfertigen der eigenen Sexualität investieren müssen. Bernhard Kroll

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.01.2011)

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