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Im neuen Weltklimabericht widmen sich die IPCC-Experten auch umstrittenen Themen: etwa der Schwankungen der Sonnenstrahlung.

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Die großen Überraschungen sind beim neuen Weltklimabericht ausgeblieben: Die Tendenzen, vor denen der UN-Weltklimarat IPCC in früheren Berichten gewarnt hat, blieben gleich: Ohne Senkung des Treibhausgasausstoßes werde sich die Durchschnittstemperatur bis 2100 um 1,1 bis 4,8 Grad erhöhen, der Meeresspiegel könnte um durchschnittlich 32 bis 82 Zentimeter steigen, trockene Regionen würden trockener, feuchte Regionen feuchter. Der größte Unterschied zu früheren Berichten: Die Datenlage ist besser, die Modelle sind umfassender, die Aussagen dadurch schärfer. Und: Wie in dem 2216 starken Bericht (www.ipcc.ch) nachzulesen ist, widmen sich die IPCC-Experten (unter ihnen Georg Kaser von der Uni Innsbruck) mehreren Punkten, für die es zuletzt viel Kritik gab.

Einer dieser Punkte ist das „mittelalterliche Klimaoptimum“: In dem berühmten Hockeyschläger-Diagramm von Michael Mann (1999) wurde die Temperatur lange Zeit als konstant dargestellt und stieg erst im 20.Jahrhundert an. Das widersprach historischen Befunden klar (z.B. dem Namen Grönland oder so manchen Weinbergen im tiefsten Waldviertel). Die Kurven im neuen IPCC-Bericht spiegeln diese Realität nun deutlich wider: Auf der nördlichen Halbkugel wird ein Temperaturmaximum zwischen den Jahren 950 und 1250 ausgewiesen. Damals, so wird erläutert, sei es in manchen Regionen gleich warm gewesen wie in der Mitte des 20. Jahrhunderts, in anderen Regionen sogar so warm wie Ende des 20. Jahrhunderts. Die Forscher betonen aber einen Unterschied zwischen Mittelalter und Gegenwart: Seinerzeit war die Klimaentwicklung in verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich, heute ist sie viel gleichförmiger.

Eine Erklärung dafür (und für die nachfolgende Kleine Eiszeit 1450–1850) haben die Klimatologen nicht – auch wenn das Wissen über die Rolle von natürlichen Faktoren zuletzt stark gestiegen ist. Womit wir beim zweiten großen Kritikpunkt am IPCC wären, dem sich die Forscher nun ausführlich widmen: Sonne und Vulkane hätten einen Einfluss auf das Klima, wird betont, dieser sei aber viel zu gering, um den Klimawandel erklären zu können. In Zahlen: Die Intensitätsschwankungen der Sonne (in Jahrzehnten und Jahrhunderten) entsprächen einer Temperaturänderung von maximal 0,1 Grad. Und starke Vulkanausbrüche könnten die Erde um höchstens 0,3 Grad für ein paar Jahre abkühlen.

Beide Phänomene hätten jedenfalls eine viel geringere Wirkung als Treibhausgase, heißt es. Eine kleinere Rolle spielen auch interne Vorgänge im Klimasystem (etwa Meeresströmungen) und Wolken. Über diese Faktoren, so bekennen die IPCC-Forscher freimütig, wisse man aber noch wenig.

martin.kugler@diepresse.com diepresse.com/wortderwoche

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2013)

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