Wort der Woche

Mischwälder sind ertragreicher

Eine große internationale Studie belegt, dass Mischwälder nicht nur widerstandsfähiger und ökologisch günstiger als Monokulturen sind, sondern auch viel ertragreicher.

Österreichs Wäldern geht es nicht gut. Die Fläche wächst zwar, doch die Schäden nehmen noch stärker zu. Borkenkäfer finden so gute Bedingungen vor wie lang nicht: Trockenheit, der großteils milde Winter und der frühe Sommer ermöglichten schon Anfang April den Schwärmflug von Buchdruckern & Co. Das lässt Schlimmes befürchten – nachdem schon 2017 mit 3,5 Millionen Festmetern Käferholz das bisher schadholzreichste Jahr war.

Die befallenen Bäume müssen schnellstmöglich entfernt werden. Langfristig ist das keine Lösung, denn durch den Klimawandel werden die Wälder immer anfälliger. Es braucht andere Maßnahmen. Die wichtigste ist es, die Diversität zu erhöhen: In reinen Fichtenforsten können sich Schädlinge ungehindert ausbreiten; Mischwälder hingegen sind viel widerstandsfähiger – die Vielfalt erschwert die Verbreitung spezialisierter Schadorganismen und fördert deren natürliche Gegenspieler. Mischwälder sind Monokulturen freilich auch aus anderen Gründen vorzuziehen: Sie sind schöner, ökologisch wertvoller, bieten viel mehr Arten einen Lebensraum, können Licht, Wasser und Nährstoffe effizienter nutzen und mildern überdies den Klimawandel, weil sie CO2 besser und länger speichern.

Der Grund dafür, dass man lange Zeit auf Monokulturen setzte, war die Erwartung, dass diese leichter zu ernten und überdies ertragreicherer seien. Letzteres Argument hat nun eine internationale Forschergruppe um Hervé Jactel (Uni Bordeaux) widerlegt: Dabei wurden 126 Fallstudien auf mehr als 60 Versuchsflächen in allen fünf Kontinenten ausgewertet, auf denen unmittelbar nebeneinander Monokulturen und Mischwälder wachsen. Das Ergebnis: Im Durchschnitt sind Mischwälder um rund 15 Prozent ertragreicher – und kein einziger Mischwald verzeichnete weniger Holzzuwachs als die ertragreichste Monokultur (Biology Letters, 4. 5.). Die Vorteile der Mischwälder kommen besonders stark in Gebieten mit günstiger Wasserversorgung, wie etwa in Mitteleuropa, zum Tragen.

Dieses Ergebnis sollte nun eigentlich auch die letzten Anhänger traditioneller Fichtenforste zum Umdenken bewegen. Der Großteil der Waldbewirtschafter hat sich dieses Wissen ja längst zu eigen gemacht. „Baumartenvielfalt kann am ehesten helfen, einer unsicheren Entwicklung zu begegnen“, heißt es etwa in der Begleitbroschüre der sehr empfehlenswerten zehnteiligen Filmserie „GENial – Der Wald im Klimawandel“, die bei Biosphäre Austria (www.biosa.at) kostenlos downloadbar ist.

Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Chefredakteur des „Universum Magazins“.

meinung@diepresse.com

www.diepresse.com/wortderwoche

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2018)

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