Wieso bleibt Musik als Ohrwurm im Kopf hängen?

Das hängt von der Person, von der Situation und vom Musikstück ab.

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Tagelang plagt einen auf der Russland-Reise der Ohrwurm „Kalinka“. Andere kriegen stundenlang „YMCA“ nicht aus dem Kopf. Wieso gehen manche Melodien stärker ins Ohr? Und wie kriegt man einen Ohrwurm wieder los?

„Ohrwürmer sind musikalische Zwangsgedanken, halten aber das Hirn wach“, sagt Christoph Reuter, Musikwissenschaftler der Uni Wien. Er erforscht, wie man Werbeslogans gestaltet, damit sie beim Zuhörer hängen bleiben. „Ohrwürmer sind kurze musikalische Phrasen, meist mit Text, oft Kinderlieder, in kleinen Tonschritten und eher langen Noten. Wenn sie häufig im Radio gespielt werden oder im Lied eine häufige Wiederholung vorkommt, etwa bei ,We will rock you‘ von Queen, setzen sie sich leichter fest.“

Auch wenn man das Lied nur teilweise gehört hat, nistet sich ein Ohrwurm ein, weil das Gehirn auf Vervollständigung drängt. Aktuelle Hirnstudien lassen vermuten, dass ein Ohrwurm wie eine „Warteschleifenmusik“ funktioniert, wenn das Gehirn gerade nicht durch andere Aufgaben gefordert wird.

Leichter anfällig für Ohrwürmer sind Frauen, Musiker, introvertierte Personen und Taube. „Bei tauben und schwerhörigen Menschen fehlt der auditive Input. Da bildet das Gehirn aus zufälligen Nervenentladungen musikalische Gestalten“, sagt Reuter. Auch die Situation spielt mit: Ist man besorgt, gestresst oder müde, ist man anfälliger. Oder wenn das Gehirn „ausspannt“ – wie beim Duschen, Putzen oder Radfahren.

Auf keinen Fall sollte man beunruhigt werden oder versuchen, nicht an den Ohrwurm zu denken. Loswerden kann man ihn, wenn man sich stark auf etwas anderes konzentriert. Sogar wenn man etwas Heißes oder Scharfes isst oder das Lied bewusst von Anfang bis zum Ende mitsingt.

„Sie können auch ein anderes Lied intensiv hören, doch da besteht die Gefahr eines neuen Ohrwurms“, warnt Reuter.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2015)

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