Der ideale Bauherr

Versuch einer Charakterisierung: Was sind die Voraussetzungen, die zu einer geglückten Beziehung zwischen Bauherren und Architekten führen – und zu guten Bauwerken?

Ein Bauherr ist Auftraggeber für die Planung und Errichtung von Bauwerken. Dass der Begriff Bauherr über all die Jahrhunderte männlich geprägt blieb und bis heute so eindimensional verwendet wird, ist historisch vom Status des Bauherrn in der Gesellschaft abzuleiten. Das Bauen war immer Ausdruck von Macht und Planungshoheit, und diese waren männlich dominiert, egal, ob es sich um den Kaiser, um Könige oder die Kirche als Auftraggeber handelte. SchlossVersailles wurde errichtet, um als gebautes Manifest die Macht Ludwigs XIV. darzustellen, und wurde deswegen zum Inbegriff des französischen Barocks. Nach Ludwig XVI. wurde gar ein Stil, der Louis-Seize, benannt, der in ganz Europa Furore machte. Auch die Veränderungen der Welt durch die industrielle Revolution rüttelten nicht am Bedürfnis der neuen Herren, Status und Ansehen in feudal anmutenden Fabrikgebäuden und Handelshäusern auszudrücken. Es ging weiter: Als monumentale, staatstragende Geste ließ Hitler von seinem Architekten Speer die neue Reichskanzlei planen, und kaum anders agierte der Sozialist Mitterrand, als er in absolutistischer Manier selbst jene Architekten beauftragte, die mit den Grand Projets in Paris Ruf und Ruhm festigen sollten.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2016)

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