Event Baustelle

Ein Turm wird zur Tribüne, das Baugelände zur Bühne erklärt: Der temporäre Holzturm an der Wiener Favoritenstraße bietet einen Blick auf das Drunter und Drüber der Wiener Hauptbahnhof-Baustelle. Signalhaft.

Es war eine faszinierende Szenerie als in den 1970er-Jahren der erste Bauabschnitt der Wiener U-Bahn umgesetzt wurde: Am Karlsplatz taten sich durch die offene Bauweise Schluchten auf, die einen beeindruckenden Einblick in den Wiener Untergrund gewährten. Über der Tiefbaustelle waren Ste-ge, Stiegen und Brücken aus Holz gespannt, um die Passantenströme an diesem zentralen Wiener Platz sicher zu kanalisieren und um den Straßenbahnen auf ihren wackelig anmutenden Schienensträngen, teilweise ebenfalls über Brücken geführt, freie Fahrt zu lassen. Aus der technischen Notwendigkeit heraus ergab sich eine Erhöhung der Blickperspektive: Die Fußgänger wurden für das Stiegensteigen mit einem Tiefblick in ein dynamisches Geschehen belohnt, das den offenen Bauch des Karlsplatzes mit darüber kreuzenden Straßenbahnzügen zeigte. Die temporäre Holzarchitektur wurde so zur Tribüne für Schaulustige – vermutlich als Nebeneffekt, da sich die Stadtpolitik zu dieser Zeit wohl kaum dazu bekannt hätte, dass man die Bürger am gemeinen Baustellenspektakel bewusst teilhaben lassen sollte.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2011)

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