Der Jordan im Boden

Ein spirituelles Gesamtkunstwerk, gestaltet mit enormer Empathie für den Genius Loci und viel Liebe zum Detail: der Kirchenumbau in Lingenau im Bregenzer Wald.

Warum man ausgerechnet nach Lingenau wolle, fragt der Chauffeur des Landbusses die als Nicht-Einheimische identifizierte Passagierin. Dort sei nun wirklich nichts los. Ach so, der neue Kirchenumbau – ja, das sei das einzig Interessante. Damit hat er insofern unrecht, als dank bemerkenswerter Brückenbauten die Gemeinde im Bregenzer Wald durchaus kein weißer Flecken auf der architekturhistorischen Landkarte ist. Die 1969 eröffnete, vom Grazer Bauingenieur Franz Aigner geplante Stahlbeton-Bogenbrücke über die Bregenzerach war einst die siebtgrößte Brücke dieser Bauart weltweit und beeindruckt heute noch mit unaufgeregter Eleganz. Schon in den Dreißigerjahren des Jahrhunderts davor plante der – übrigens wieAigner – aus Südtirol gebürtige und als Planer des Suezkanals berühmte Alois Negrelli die Gschwendtobelbrücke über die Subersach, eine gedeckte Holzbrücke mit sechsfach verstärktem Hängesprengwerk.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2011)

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