Dämonen, Vampire, Untote

Schwarz, nicht zuckerlrosa war die Romantik. Blut, Schmerz und Lust finden sich in Simone Stölzels Zusammenschau romantischer Literatur häufiger als schmachten- de Liebe. Ihre „Nachtmeerfahrten“ zeigen die dunkle Dichtung als Vorläuferin heutiger Fantasy- und Science-Fiction-Literatur. Vom verdrängten Erbe der Romantik.

Die Romantik war nicht sentimental, ja sie war nicht einmal romantisch. Was uns heute als romantisch angeboten wird,etwa ein Wochenende im Wellnesshotel mit Candle-Light-Dinner, ist nicht einmal mehr eine Karikatur. Der Kern der Romantik war schwarz wie die Nacht. Darin feierten all die Schattengestalten, Ungeheuer und Dämonen, die die Aufklärung ausgeleuchtet und damit ausgetrieben zu haben vermeinte, ihre keineswegs nur fröhlichen Urständ. Die menschlichen Abgründe und Seelenfinsternisse, die Zustände geistiger Verwirrung und Verzweiflung ließen sich mit positivistischen Erklärungen nicht bannen. Das Abseitige im Menschen war allein durch chemische und physikalische Vorgänge nicht zu entzaubern. Darauf warf erst Sigmund Freud das Licht der Wissenschaft. Die Nachtseiten des Gemüts, die etwas anderes sind als die moderne Depression oder gar das postmoderne Burn-out, repräsentieren, wie die Kulturwissenschaftlerin Simone Stölzel im Vorwort zu ihrem Buch über „die dunkle Seite der Romantik“ betont, als Unergründliches das elementar Menschliche.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2013)

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