Unlust trifft Unfreiheit

Susanne Scholl über zwei Kulturen: Tschetschenien, Österreich. In Tschetschenien herrscht Krieg, ohne dass die Autorin ihn im Großen sichtbar gemacht hätte, umso präsenter ist der Terror des Alltags.

Menschen wie Emma begegnet man im täglichen Leben öfters. Vor allem, wenn man in Wien wohnt. Susanne Scholl hat die Titelfigur in ihrem Roman „Emma schweigt“ in dieser Hinsicht gut getroffen: kleinbürgerliche Existenz, Frau im Pensionsalter, noch recht ordentlich beisammen, vom Leben nicht richtig arg gebeutelt, aber doch stark genug, dass sich die Mundwinkel nach unten eingraben und Emma der Welt grantig, misstraurisch und wehleidig ins Gesicht schaut.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2014)

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