Das Gefühl, das durch den Körper wandert

Inspirierend: Ulrich Greiner untersucht in seinem anregenden Buch „Schamverlust“ den Wandel von der Schuldkultur zu einer Kultur der Peinlichkeit.

Es beginnt irgendwo in der Herzgegend, steigt über den Hals in den Kopf bis zur Stirn, wandert den Nacken hinab über die Schulterblätter, den Rücken bis zu den schwächelnden Knien und endet – mitunter tödlich. So wie beim Rechtsanwalt Jakoby in Thomas Manns Erzählung „Luischen“, der von der „endgültigen Demütigung“ durch seine Gattin und deren Liebhaber während eines Festbanketts tödlich getroffen zusammenbricht. So stark konnte die Scham in der damaligen „Schuldkultur“ noch sein, dass sie – wie bei Josef K. in Kafkas „Prozess“ sogar über den Tod hinaus wirkte. „,Wie ein Hund‘,sagte er, es war, als sollte die Scham ihn überleben.“

Sie sind bereits Abonnent?

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2014)

Meistgelesen