Brief an den Staatsanwalt

„Ich bereue. Zutiefst.“ Aus einer forensischen Novelle.

Nun. Ich bin nicht vorbestraft und war anständig. Ich gebe zu, dass ich mich dann auf etwas eingelassen habe, das mir wesensfremd ist. Und Ihnen natürlich auch. Aus anderen Gründen. Ich habe damit den, wie man so sagt, rechten Weg, aus dem ich zu einem Teil mein Wesen geschöpft habe, verlassen. Ich bin abgekommen. Ich bin gestrauchelt. Ich habe mich im Dickicht der Gebote und Gesetze verheddert. Ich habe. Nun bin ich verwickelt. Ich habe zu wenig gedacht. Vor und nach. Ich war ausschließlich vordergründig. Ich war im Angesicht der Vernunft einer ihrer übelsten Stümper. Und Pfuscher. Ich bin an einem Ort angekommen, der nie mein Ziel sein sollte. Ich bereue. Zutiefst. Es tut mir leid. Am liebsten würde ich es ungeschehen machen. Vor allem, um mit Menschen, wie Sie es sind, nicht zusammengeraten zu müssen. Jetzt bin ich – als ein vom Weg Abgekommener – plötzlich in Ihre Gasse geraten, über die Sie hüten wie der schärfste Wachhund, vor dem sogar die Tafel, die ihn ankündigt, nein, die scharf vor ihm warnt, schlottert. Anderswo wanken die Tafeln vor den Hunden, den wirklich üblen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2008)

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