„Hitler in Oarsch“

Wien vor und nach 1938: Benno Weisers und Vilma Neuwirths Geschichten eines streitbaren Lebens.

Ein freundlicher Zufall beschert uns gleichzeitig zwei Bücher, deren Autoren vieles verbindet, auch wenn zwischen ihnen und ihren jeweiligen Helden ein beträchtlicher Altersunterschied, ein soziales Gefälle und der Atlantische Ozean liegen. So lebt der eine, nach einem bewegten Leben, hochbetagt in Boston, während die andere ihre Geburtsstadt Wien, bis auf Betriebsausflüge und Urlaubsreisen, nie verlassen hat. Aber das, was Benno Weiser und Vilma Neuwirth in ihren autobiografisch durchwachsenen Werken mitzuteilen wissen, behandelt die gleiche Gefährdung, der sie in ihrer Kindheit und Jugend als „Volljude“ beziehungsweise „Geltungsjüdin“, gemäß der Nazidiktion, ausgesetzt waren und auf die sie ganz ähnlich reagiert haben, nämlich mit einem Ausmaß an Selbstbewusstsein, das man auch als tollkühn, unbeschwert oder widerspenstig bezeichnen könnte. Außerdem lässt sich behaupten, dass Weiser (der später, als Beamter des israelischen Außenministeriums, zu Benjamin Varon mutierte) und Neuwirth (die ledig Kühnberg hieß) in der Wiener Leopoldstadt beinahe Nachbarn waren – der eine ist im Haus Malzgasse2 aufgewachsen, die andere sechs Ecken weiter in der Glockengasse, auf Nummer29.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2008)

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