Taufen mit Schlamm

Woher die Jenischen kamen, weiß man nicht so genau. Klar ist da-gegen, wo viele endeten: im KZ. Thomas Sautner gibt in seinem mit großer Empathie geschriebenen Roman „Die Älteste“ Einblick in die Lebensweise einer Frau aus dieser Volksgruppe.

Wer kennt die österreichischen Volksgruppen: die sechs staatlich anerkannten und die anderen, die diesen Status entweder nicht angestrebt haben oder denen er versagt geblieben ist? Wie viele Jenische in Österreich leben, gut verborgen mitten unter uns, in einem öffentlichen Versteck, in das sie sich nach der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zurückgezogen haben, ist schwer zu sagen. Jedenfalls sind es Tausende. In ihrer Geschichte hat es für sie in Südtirol, Österreich, der Schweiz, Süddeutschland viele verschiedene Namen gegeben: „Dörcher“ wurden sie genannt, abfällig in der Bedeutung von bettelnden Landstreichern, „Karrnersleute“, was sprachlich wohl damit zu tun hat, dass viele von ihnen als Wanderhändler Karren zogen, „Laninger“, weil sie auf der „Lahn“, auf steilen, ungeschützten Hängen der Alpen, ihre Lager aufschlugen, „Storchen“, „weiße Zigeuner“... Als Jenische bezeichnen sie sich seit je selbst, was laut der Innsbrucker Sprachwissenschaftlerin Heidi Schleich so viel wie „die Wissenden“ oder „die Eingeweihten“ bedeutet.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2015)

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