Lola läuft und liebt

Die Figuren in Mirna Funks Roman „Winternähe“ sind alle ein bisschen exzentrisch. Trotzdem vermittelt er ein realistisches Bild vom modernen Leben in Europa und in Tel Aviv mit den sozialen Netzwerken, dem Antisemitismus und dem Leben unter Raketenbeschuss. Fesselnd und aktuell.

Fulminant beginnt der Debütroman der 1981, noch in der DDR geborenen Berliner Journalistin Mirna Funk. Lola, die Hauptfigur des Romans und genauso alt wie die Autorin, malt sich auf der Toilette mit einem Kajalstift einen Hitler-Schnurrbart auf die Oberlippe. Als sie in dieser Aufmachung den Gerichtssaal betritt, starren sie zuerst ihr Anwalt, dann der Richter, die Angeklagten und deren Verteidiger entsetzt an, und der Richter verweist sie des Saales. Eine Bekannte hat ein Selfie von Lola auf Facebook und Instagram getagged, auf dem ihr jemand mit vergnügtem Gesicht und Daumen hoch einen Hitler-Schnurrbart aufmalt. Daraufhin verklagte Lola beide.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2015)

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