Das radikal Böse und das banal Böse

Bettina Stangneth lädt zu einem Dialog zwischen Kant und Arendt über das Böse ein – mit einer überraschenden Wendung.

Die freiberufliche deutsche Philosophin Bettina Stangneth wurde durch ihre Intervention in der lange unterdrückten Debatte über Kant und seine doch ein wenig merkwürdigen Kommentare zu „Race“ bekannt. In ihrem Buch „Eichmann vor Jerusalem“ – schon der Titel spielt auf Hannah Arendts berühmten Prozessbericht „Eichmann in Jerusalem“ an – zeichnete sie das Porträt und rekonstruierte die Öffentlichkeitsarbeit des in Argentinien untergetauchten Massenmörders: selbstbewusst, unbelehrbar und um die Deutungshoheit über seine geschichtliche Rolle kämpfend. Dieser Eichmann hatte wenig gemeinsam mit dem subalternen Angeklagten, den Arendt erlebt hatte und an dem sie die „Banalität des Bösen“ beobachtete. Der um sein Leben kämpfende Eichmann hatte Theater gespielt und nicht nur Arendt getäuscht. Seither wurde versucht, Stangneth als Kronzeugin gegen den provozierenden Begriff von der „Banalität des Bösen“ zu instrumentalisieren. Dagegen protestiert sie entschieden: Die Kategorie stimmt, doch bedarf sie einer Präzisierung, und das Beispiel war falsch gewählt.

Das ist drin:

  • 0 Minuten
  • 0 Wörter

Sie sind bereits Abonnent?

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2016)

Meistgelesen